Zentrum für Medienbildung
Ob nun die Planung einer Lehrveranstaltung an einer Hochschule oder auch die Vorbereitung eines Schulprojektes oder auch die Implementierung von Neuen Medien an der Hochschule – in jedem Fall werden das Handeln und die Umsetzung von Rahmenbedingungen begrenzt.Welche Faktoren in welchem Maße einwirken unterscheidet sich von Fall zu Fall – vorhanden sind sie jedenfalls. Das ist wohl keine neue Erkenntnis. Ebenfalls nicht neu ist die Erkenntnis, dass wir unsere Rahmenbedingungen auch mit beeinflussen. Ich möchte nur mal versuchen diese Bedingungen ansatzweise zu kategorisieren und zur Reflexion übersichtlich anzuordnen. Dafür ist ein Mindmap das optimale Werkzeug:
Ich habe diese mindmap ursprünglich als Grundlage für Beratungen bei medienpädagogischen Projekten entwickelt, es passt aber ebenso für den medialen Einsatz in der Hochschule. Lediglich die Begriffe müssen dahingehend angepasst werden (SchülerInnen= StudentInnen, usw.)
Grundsätzlich lassen sich daraus zwei Ebenen ablesen: die menschliche und die organisationale. Ich möchte mich hier erst mal auf die menschliche Ebene konzentrieren. Nicht, dass die verschiedenen Faktoren isoliert zur Wirkung kommen, aber irgendwo muss mensch ja mal beginnen, das Netzwerk aufzudröseln.
Ein wesentlicher Faktor auf der menschlichen Ebene ist aus meiner Sicht das “Mediennutzungsverhalten”. Menschen, die immer mit dem Auto fahren, das Fahrrad jedoch kaum benutzen, erkennen selten die Vorteile, die mit dem Fahrradfahren zusammenhängen. Ebenso ist das mit der Nutzung von Medien. Menschen, die nur ungern Mobiltelefone benutzen, sind daher auf dieser Ebene kaum erreichbar und werden auch kaum Mobiltelefone im didaktischen Kontext benutzen. Konzepte des Mobile Learning führen hier wohl nicht weit. Weder bei Lehrenden noch bei Studierenden. Dies ist auch weiter verfolgbar. Arbeiten auf Lernplattformen wie moodle wird mühsam, wenn ein Drittel der SeminarteilnehmerInnen selten online sind. Nicola Döring hat dies sehr gut im “Medienökonomischen Rahmenmodell” erklärt (Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Hogrefe Verlag, 2003. S 191). In der Hochschuldidaktik kommt hierzu auch noch das Lernverhalten der Studierenden. Wie oft kommt es vor, dass die Aufforderungen, Texte vorab zu lesen, nicht erfüllt werden? Warum soll dies bei multimedialen Texten anders sein?
Eigentlich bieten die Möglichkeiten des Web 2.0 jede Menge Chancen diskursiv und asynchron Lernprozesse in Gang zu setzen (Vgl. M.Kerrres, C.Musecamp, P.Baumgartner, G.Reinmann,…). Aber das Mediennutzungsverhalten der Studierenden (vgl. Ebner/Schiefner 2009 – die Ergebnisse decken sich größtenteils mit meinen persönlichen Erfahrungen) und auch der Lehrenden (hab da noch keine aktuellen Studien gefunden, in den Stellen-Ausschreibungen wird hier auch kaum Kompetenz eingefordert) ist im Kontext des Studiums zumeist nur auf passiven Konsum im Web ausgerichtet. Wikipedia wird als Nachschlagewerk genutzt – die eigene Aktivität, Beiträge zu bearbeiten oder zu verfassen, tritt nur in geringem Masse auf. Im privaten Kontext werden soziale Netze, Facebook, Youtube u.ä. Portale stärker genutzt. Die Generation der lern-aktiven “Digital Natives” lässt also noch auf sich warten.
Das Mediennutzungsverhalten korreliert meiner Ansicht nach auch stark mit dem pädagogischen Konzept und den persönlichen Interessen. Je nach den eigenen Wertevorstellungen werden unterschiedliche pädagogische Konzepte und Interessen verfolgt. Kollaboratives Arbeiten, wo die Leistungen der Beteiligten nicht extra ausgewiesen sind und somit auch nicht personenbezogen messbar werden, widerspricht sich oftmals mit den persönlichen und auch organisationellen Anforderungen in Bezug auf Notengebung und Zertifizierung. Mechanistische Beurteilungskonzepte stehen hier im Widerspruch zum inhaltlichen Lernen. Diese Problematik ist sowohl bei Lehrenden als auch bei Studierenden anzutreffen.
Aus dem passiven Nutzungsverhalten kombiniert mit der Forderung nach Leistungsmeßbarkeit und Beurteilung folgert meiner Ansicht nach die Vorliebe für lineare didaktische Konzepte und dazupassende Mediennutzung. Herauskommen Frontalvorträge zumeist mit MS-Powerpoint, die mehr an die Kopien von Skripten bzw. deren Kapitelüberschriften erinnern, denn an unterstützende und erweiternde Präsentationen. Frontalvorträge, die nicht auf selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Lernen abzielen, sondern auf den Transfer von messbaren (abprüfbarem) linear reproduzierbaren Informationen. Ob nun ein Vortrag darauf abzielt oder als Grundlage eines diskursiven Aneignungsprozesses von Wissen mit nicht definiertem Ziel dient (vgl. Freinet-Adler steigen keine Treppen), welche pädagogischen Werte vertreten werden – das beeinflusst sowohl das didaktische Konzept. Die eigenen Mediennutzungskompetenz und die allgemeine Medienkompetenz der am Lernprozess Beteiligten , bestimmt die zum Einsatz kommenden Medienformen.
Fazit: um die Lernpotenziale des Web 2.0 bzw. Social Software in der Hochschuldidaktik verankern zu können, bedarf es Angebote in unterschiedlichen Bereichen der Hochschule (Lehre, Personalentwicklung, PR, Campus,…), die den persönlichen Interessen und dem Nutzen der Beteiligten entgegenkommen, einer kontinuierlichen Schulung mit LowLevel Einstieg und vor allem einer Lernkultur, die kollaborative Arbeit fordert und fördert.
Vor einigen Jahren schon lief die Clean Clothes Kampagne über die Handelsbedingungen von Textilprodukten.
Hier die Grafik aus der damaligen Kampagne – wär interessant, ob sich da was geändert hat:
1. Schwerpunktausgabe der Fachzeitschrift Medienimpulse zum Thema “Medien und Sport”.
2. “Zanzibar Soccer Queens” – Dokumentarfilm zu Frauenfußball in Sansibar
Anlässlich der Präsentation der Zeitschrift FRAUENSOLIDARITÄT Nr. 112
präsentieren Frauensolidarität und normale.at
den Dokumentarfilm “Zanzibar Soccer Queens” von Florence Ayisi (OF
engl UT) zum Thema Afrika: Sport und Ökonomie
am Mittwoch, 26. Mai 2010 um 21:00 Uhr im Schikaneder Wien, Wien 4,
Margaretenstraße 24
(Eintritt frei)
zur Einladung: http://195.202.179.11/staytuned/NORMALE/IMGS/FS_112.pdf
mehr Infos: http://www.frauensolidaritaet.org/
3. Materialien und Ideen bei mediaculture-online
4. Multimediales Lernmaterial zum Dokumentarfilm “Sold Out!” – “Vernetzte Welt”
Am 13.3.2009 hielt Dr. Beat Doebeli einen Einstiegsvortrag für die Tagung “Personal Learning Environment in der Schule” . Ich habe selten einen so pointierten Vortrag zum Thema gehört. Wohltuend – keine Power Point Folien, die zumeist ohnehin besser als Skriptum verlegt werden sollten, sondern eine unterhaltsame und informative Veranschaulichung, was neue Technologien im Unterricht leisten könnten. Dass er nicht nur davon spricht, sondern auch die praxis wissenschaftlich begleitet zeigt sich im derzeit laufenden Versuch an der Projektschule Goldau, wo eine 6. Schulstufe mit iPhones ausgestattet wurde, um Erfahrungen in der Didaktik und Methodik des Unterrichtens mit mobilen Kommunikationsgeräten zu sammeln. Ich habe darüber bereits an anderer Stelle in diesem Blog berichtet.
Doch an dem Vortrag ist noch ein anderer Aspekt interessant. Doebeli nutzt im Vortrag gleich auch eben die Technologien über die er berichtet. In einem zweiten Schritt stellt er den Vortrag auch auf der Webseite als Video online, wodurch es mir erst möglich war diesen überhaupt zu sehen und mich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Medienkonvergenz wie sie heute im Alltag üblich ist findet da Eingang in die Hochschuldidaktik. Wort, Bild, Ton, Schrift fliessen zusammen. Durch die Speicherung und die Publikation wird Wissen geteilt und regt auch zur eigenen Aktivität an.
Nun sagen die meisten dies ist zu aufwendig oder die Technik ist nicht verfügbar…ich halte das für Ausreden. Eine Aufzeichnung ist heute mittels Netbook und ev. noch einem Mikro brauchbar möglich. Zur Veröfentlichung reicht eine Webseite, Archive für Online Speciherung stehen notfalls auch kostnefrei zur Verfügung. Also sicherlich keine kostspielige und technisch aufwendige Sache.
Einerseits steckt ein wenig Angst in jedem wissenschaftlich arbeitenden Menschen, dass im Zuge eines Live-Vortrages sich Fehler oder Thesen einschleichen, die ev. in einer Veröffentlichung als gedrucktem Text vorab durch Selbstkontrolle und Lektorat korrigiert würden. Es ist also Mut zum Fehler und auch zur Kritik nötig, Aufzeichnungen zu gestatten.
Andererseits fehlt oft auch das notwendige Knowhow zur Umsetzung. Wer nicht mit dem Rad fahren kann wird wohl selten das Rad benutzen und wenns erst mal eintrainiert wurde, dann ist es oftmals sehr praktisch und wird im Alltag genutzt. Die Mediennutzung beeinflusst die Medienkompetenz und diese ist Grundlage für den Einsatz im Alltag. Es ist kein “Digital Devide” an den Hochschulen, sondern ein “Competence Devide” wahrzunehmen. Ähnliches hat auch Dennis Schaffer bereits im Blog LernenzweiNull beschrieben. Zunehmend wird auf die Situation durch ein verstärktes Schulungsangebot zur Vermittlung von Medienkompetenz im digitalen Bereich reagiert (vgl. u.a. Kerres Medienkompetenz für die Bildungswissenschaft). An der PH Wien werden dafür im Rahmen des Lehramts-Studiums grade mal 1,5 EC aufgewendet. Die Angebote im Rahmen der Personalentwicklung für Lehrende beschränken sich auf punktuelle Workshops im Umfang von ein paar Stunden. In Ausschreibungen für Lehraufträgen ist von digital skills zumeist keine Rede. Die Integration in die Didaktik hängt also wieder von der eigenen Mediennutzung und der daraus resultierenden Kompetenz ab. Verdacht: Die Auseinandersetzung mit Mediendidaktik, insbesondere auf digitaler Ebene, wird gerne einem kleinen Kreis interessierter SpezialistInnen vorrangig aus den Bereichen EDV, ev. noch Deutsch oder BE, überlassen.
Eine Empfehlung zur Inskription folgender Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2010/11 (Inskriptionsfrist ist bis 27.Mai 2010!):
Das Symposion „medienKULTURmedien“ beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Kultur und Medien. Demzufolge werden verschiedene Formen der Kommunikation durch Medien aufgegriffen. Die Auseinandersetzung mit Theater, Literatur, Film, Sprache und Musik als Kommunikationsmittel findet in Form von Vorträgen, Performances, Workshops und Ateliers statt.
Ort: PH Wien
Infos: medienKULTURmedien Inskriptiondirekt
In Kooperation mit dem Bundeskoordinationszentrum für schulische Kulturarbeit
An vier Abenden finden jeweils von 19:00-20:30 Uhr Diskussionen im Online Raum statt.
* 18.10.2010: Social-Media-Einsatz im Unterricht
* 15.11.2010: Internetsucht bei Jugendlichen
* 20.12.2010: Digitale Medien im Unterrricht
* 18.1.2011: Social Networks
Die Veranstaltungsreihe “Webtalks” wird mit Hilfe einer Konferenzsoftware alle Teilnehmenden durch Video, Audio, Chat und weitere interaktive Elemente über das Internet miteinander verbinden. Technisch benötigen Sie nur eine stabile Internetverbindung und einen Browser. Schon sind Sie von zuhause oder sonstwo online dabei.
Infos: Webtalks! Inskription direkt
Videobearbeitung – Audiobearbeitung – Podcast – Weblog – Bildbearbeitung
Hier können interessierte LehrerInnen betreut eigene Projekte realisieren, Neues kennenlernen und eigenes Wissen weitergeben.
Infos: Medialab Inskription direkt