Empowerment Berater/innen
Projekt: Implementierung und Evaluation eines Ausbildungs-Lehrganges der PH Wien für Menschen mit Beeinträchtigungen – „Empowermentberater/in für inklusive Schulentwicklung“
„Wenn du glaubst, du seiest behindert, dann solltest du dich weiterhin verstecken. Wenn du glaubst, du seiest eine Person, dann komm raus und sag es der Welt.“
Ray Loomis 1968 Gründer von „People first“ in Nebraska/USA
1. Begriff – Empowerment
Der Begriff „Empowerment“ stammt aus den USA.[1] Übersetzt könnte der Begriff mit „Be-oder Ermächtigung“ werden. „Hinter dem Begriff „Empowerment“ verbergen sich eine Philosophie, theoretische Annahmen und Leitideen wie auch Prozesse, Programme, Konzepte oder Ansätze, die mit Blick auf die Arbeit im sozialen Bereich vorhandene Stärken von Menschen in gesellschaftlich marginaler Position (z.B. soziokulturell Benachteiligte; ethnische Minderheiten; allein erziehende Frauen; Menschen mit einer psychischen Krankheit oder Behinderung; Familien mit behinderten Angehörigen) zum Ausgangspunkt nehmen, zu tragfähigen Formen kollektiver und autonomer Selbsthilfe-Zusammenschlüsse sowie sozialer Netzwerke anstiften und die (Wieder-)Gewinnung von Selbstbestimmungs-fähigkeiten und Kompetenzen zur Kontrolle und Verfügung über die eigenen Lebensumstände zum Ziele haben.“[2]
Kurzgefasst wird „Empowerment“ als Prozess der Selbstaneignung von Macht und
Gestaltungskraft im Alltag verstanden.
Es werden vier Zugänge unterschieden:
- Empowerment als Erwerb von Selbstverfügungskräften,
- politisch ausgerichteter Macht,
- Reflexion der eigenen Kräfte,
- „enabling“ transitiv genutzt.
Hier vertraut Empowerment auf die Stärken und Ressourcen des Einzelnen, die Fähigkeit Krisen und Belastungen zu bewältigen. Empowerment steht für politische Bewusstwerdungsprozesse, politische Aktionen, und Erfahrungen von unterdrückten Gruppen, die bisher benachteiligt wurden. Es geht hier um die Wiedereroberung der Kontrolle und Gestaltung der eigenen sozialen Lebenswelt, um Leben nach eigenen Zielen. Es geht um Bereitstellung von Informationen oder Ressourcen, sowie das Arrangement von Lernsituationen, die es Menschen ermöglichen, sich ihrer ungenutzten Kompetenzen bewusst zu werden, diese zu erhalten, zu kontrollieren und zu erweitern. Das Empowerment-Konzept ist grundsätzlich ein inklusives und beruht auf den gleichen Werthaltungen. Die nachfolgende Grafik[3] macht das deutlich:
| Traditionelle Sonderpädagogik | Empowerment-Konzept |
| Betroffene(r) = Laie, Patient/in | Betroffene(r) = Expert/in |
| Professionelle Helfer/innen = Expert/innen | Professionelle Helfer/innen =Assistent/inne |
| Medizinisches Modell | Sozialwissenschaftliches Modell |
| Defizitorientierung | Stärkenperspektive |
| Individuum zentrierte Interventionen | Lebensweltbezogene Behindertenarbeit |
| Ziel: (Reibungslose) gesellschaftliche
Anpassung |
Ziel: Selbstbestimmung, kollaborative und
demokratische Partizipation |
| Helfersicht und Fremdinteressen | Betroffenen- und Rechtsperspektive |
| Segregation und Besonderung | Inklusion |
2. Untersuchungsgegenstand
Der Untersuchungsgegenstand des Forschungsprojektes ist der Ausbildungs-Lehrgang der PH Wien für Menschen mit Beeinträchtigungen „Empowermentberater/in für inklusive Schulentwicklung“ (6 EC).
2.1 Lehrgang zum/zur Empowerment-Berater/in
Dieser Lehrgang wurde im Wintersemester 2008 an der PH Wien von Marianne Wilhelm und Wolfgang Orehounig entwickelt, im Sommersemester 2009 implementiert und im Wintersemester 2009 gestartet. Die Evaluation fand Lehrgangs begleitend und am Ende des Lehrgangs von 2009 bis 2010 statt. Der Projektbericht wird bis Juni 2011 fertig gestellt.
2.2 Ziele und Konzept der Evaluation
Die Implementierung und Evaluation des Lehrganges ermöglicht
- die Erforschung der Auswirkung von gemeinsamem Lernen in der Lehrer/innen-Aus- und Fortbildung sowie
- die Erforschung der Auswirkungen des Projekts auf Empowerment, Self Advocacy and Independent Living der außerordentlichen Studierenden.
Zusätzlich kommt es
- zur Implementierung eines Lehrganges „Ausbildung zum Empowermentberater zur Empowermentberaterin für inklusive Schulentwicklung,“
- zur Öffnung der PH für außerordentliche Studierende mit individuellem Lehrplan und Abschlusszertifikat über 6EC (Abschlussarbeit ist die Powerpoint-Präsentation zum eigenen Schwerpunkt zum Thema inklusive Schulentwicklung z.B. „Rollstuhltaugliche Schule – Accessability“ oder „Wie können Schüler/innen bei Übergängen – Transitionen unterstützt werden?“ „Förderliche und hinderliche Lehrkräfte“, „Lernen im lichtlosen Raum“ – bei eventueller Zusammenführung mit dem Projekt von Frau Claudia Rauch);
- zur Öffnung der Module: Orientieren, Heterogenität, Aspekte der Kommunikation für außerordentliche Studierende mit Beeinträchtigung,
- zur Entwicklung einer differenzierenden und individualisierenden Hochschuldidaktik,
- zur Vergabe eines Zertifikats für 6 EC und Kompetenzbeschreibung: Empowermentberater/in für inklusive Schulentwicklung.
Dazu wird ein Praktikum im Ausmaß von 1,5 EC durch Hospitationen in SCHILF Veranstaltungen zur Inklusiven Schulentwicklung ermöglicht.
Es kommt zu kooperativem bezahltem Einsatz der Empowermentberater/innen bei SCHILF-Veranstaltungen zum Thema inklusive Schulentwicklung in PE1, PE2 und PE3 (Integrationslehrgang).
2.3 Verbreitung
Das Projektteam war und wird bei folgenden Veranstaltungen aktiv und präsentiert(e):
- Internationale Inklusionsforscher/innen-Tagung in Innsbruck März 2010
- PH Aktionstag zur UN-Konvention der Rechte der Menschen mit Behinderungen April 2010
- Integrationslehrer/innen-Lehrgang für Berufsschullehrer/innen April 2010
- Monitorinausschuss-Sitzung Parlament April 2010
- Forschungstag der PH Wien Mai 2010
- SCHILF-Veranstaltung an einer Berufsbildenden mittleren Schule Juni 2010
Projektteilnehmer/innen
Leitung: Marianne Wilhelm
Coaching: Claudia Rauch, Rainer Grubich
Studierende: Wolfgang Orehounig, Andreas Paukner, Peter Pigler
[1] SIMON, B.: The empowerment tradition in american social work. A history, New York 1994.
[2] THEUNISSEN, Georg & PLAUTE, Wolfgang: Handbuch Empowerment und Heilpädagogik. Lambertus
2002, S.11.
[3] Vgl. THEUNISSEN, Georg & PLAUTE, Wolfgang: Handbuch Empowerment und Heilpädagogik. Lambertus
2002, S.43.
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