“Hands-on” und Naturwissenschaft
MOTIVE UND ENTSTEHUNG DER “HANDS-ON” – DIDAKTIK
Von “hands-on”, von hands-on – Ausstellungen und hands-on – Didaktik, spricht man hierzulande seit etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren. Zuerst hatte man eine Zeit lang von “Interaktiver Didaktik” gesprochen, ist aber allmählich davon abgekommen, weil dieser Begriff immer mehr der Computer-Interaktion zugeordnet wurde.
“Hands-on” soll eben wirklich heissen, dass die Menschen Hand anlegen und die Phänomene buchstäblich “begreifen”; und natürlich nicht nur die Hände, sondern auch Herz, Ohren, Nase, Zunge – möglichst alle Sinne und überhaupt auch ihre Phantasie und ihre Gefühle einbeziehen.
Kurz: Die ganze menschliche Wahrnehmung soll angeregt werden, die Menschen sollen in eine eigenständige Beziehung zu “Natur”, zu Objekten und Abläufen treten, und das möglichst direkt, selbständig und mit möglichst wenig “Medium” dazwischen.
Als großes Vorbild der “hands-on-Bewegung” gilt wohl das “Exploratorium” in San Francisco, das schon in den 1960er Jahren gegründet wurde. In Europa nimmt, meines Wissens, die Ausstellung “Phänomena”, die 1984 in Zürich stattfand, eine Vorreiterrolle ein.
Was sind die Motive und Ziele dieser “Bewegung”?
Ein erstes Hauptmotiv ist wohl ein pädagogisches beziehungsweise didaktisches. Die immer abstrakter gewordenen Lehrinhalte der Naturwissenschaften – ich will hier vor allem von der Physik sprechen – sollen möglichst “anschaulich” und “lebendig” vermittelt werden. Die Menschen – Kinder, SchülerInnen, StudentInnen und überhaupt auch alle Erwachsenen – sollen für die Wissenschaft interessiert werden, die Angst, das alles nicht verstehen zu können, soll überwunden und das Image von Naturwissenschaft und Technik verbessert werden.
Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem basiert ja auf diesem Wissen und es ist wichtig, dass sich die Menschen darin möglichst gut auskennen.
“Hands-on” bewirkt hier gleich in zweierlei Hinsicht eine Verbesserung:
- Es ist eine Alternative zum Frontalunterricht; nicht mehr eine Person (LehrerIn) lehrt viele andere (Lernende), indem sie “Wissen” weitergibt, sondern die Lernenden werden in der neuen Inszenierung direkt an die “Objekte” beziehungsweise “Stationen” herangeführt und sollen selbst forschen und entdecken. Die Lehrpersonen werden zu “VermittlerInnen” und “ModeratorInnen”. Diese neue Konstellation bedeutet einen Zuwachs an Selbständigkeit und Emanzipation.
- Die zweite wesentliche Veränderung besteht in der schon beschriebenen Einbeziehung aller subjektiven menschlichen Ebenen und Fähigkeiten. Die Inhalte, das “Wissen” soll nicht nur kognitiv mit dem Kopf übernommen, durchdacht und “auswendig” gelernt werden, sondern die Menschen sollen als “ganze” in eine Beziehung zu den Phänomenen und Zusammenhängen treten (die Phänomene sollen sozusagen auch “inwendig” gelernt werden).
Neben diesem Hauptmotiv gibt es einige sekundäre Anliegen, die durch diese didaktischen Verbesserungen vorangebracht werden sollen.
So besteht zum Beispiel Sorge um den “Nachwuchs” für unsere wissenschaftlich-technische Infrastruktur. Wenn sich immer weniger Leute für Naturwissenschaft und Technik interessieren und bereit sind, die Mühen des Lernens auf sich zu nehmen, wer soll dann in Zukunft die immer mehr spezialisierten und “qualifizierten” Arbeiten leisten?
Naturwissenschaften und Technik besitzen, so wird häufig geklagt, ein immer geringeres Ansehen; und wo die Wahl besteht, würden diese Fächer in den Schulen oft “abgewählt”.
Auch wird oft geklagt, dass “Technikfeindlichkeit” um sich greift und immer mehr Menschen Ängste vor undurchschaubarer “Hochtechnologie” entwickeln. Die “hands-on” – Didaktik soll dazu beitragen, derartige Ängste, Feindlichkeit und Scheu abzubauen.
Auch der Gender-Aspekt spielt eine Rolle: “hands-on” – Didaktik soll mehr Mädchen und Frauen zu Naturwissenschaft und Technik “verführen” und Schwellen abbauen.
NATURWISSENSCHAFT UND KUNST
Man kann auf ganz unterschiedliche Weisen an “Natur”, “Naturphänomene” und “Naturprozesse” herangehen.
Die Naturwissenschaften, und ich will hier wieder speziell von der Physik sprechen, haben in den vierhundert Jahren, seit es sie gibt, eine ganz besondere Methode entwickelt. Eine sehr streng geregelte Methode, die wir mit dem Begriff der “REDUKTION” wohl am besten kennzeichnen können.
Die ganze bunte Vielfalt der Naturwirklichkeit, die uns zum Staunen bringt, die uns aber auch verwirren, bedrohen und überwältigen kann soll durch diese Reduktion auf einfachste Elemente und Bausteine zurückgeführt werden. Es bleibt letztlich nur die reine Ausdehnung im Raum übrig.
Die ausgedehnten Objekte bewegen sich nach exakten, rational fassbaren Gesetzmäßigkeiten im Raum herum, indem sie gegenseitig aufeinander Kräfte ausüben. Es gilt dann als Hauptaufgabe der Physik, diese Naturgesetze herauszufinden und zu sichern. Kennen wir die Gesetze, dann können wir zukünftige Vorgänge voraussagen.
Mithilfe des so gewonnenen “Wissens” können wir die Objekte und Prozesse dann so gestalten und einrichten, wie wir es wünschen.
Das bedeutet: es geht der Naturwissenschaft im Wesentlichen um die praktische Handhabung der Dinge, darum, die “Natur” zu beherrschen.
Der Naturwissenschaft geht es um rationale Naturbeherrschung.
Ganz anders ist die künstlerische Auseinandersetzung mit Natur beschaffen. Hier gibt es eine Vielfalt an Zugängen und sie sind so subjektiv, wie es die Kunstsparten und die Menschen sind, die sie betreiben.
Hier geht es nicht um Beherrschung, sondern um Beziehung und kreative Auseinandersetzung mit Phänomenen.
Hatte die Naturwissenschaft eine neutrale Distanz und die Ausschaltung jeglicher Subjektivität gefordert, um die “reinen”, reduzierten Objekte zu erfassen, so ist in den Künsten gerade die Nähe, die Einmischung, der sinnliche Kontakt wichtig.
Die subjektiven Wahrnehmungen, Sensibilitäten und Fähigkeiten sollen hier gefördert, ausgebaut und weiterentwickelt werden; ohne bunte und kreative Subjektivität geht hier gar nichts.
Dennoch ist es nicht so, dass die künstlerische Wahrnehmung nicht auch eine “Wahrheit” über die Natur darstellte. Eine künstlerische Wahrheit kann uns manchmal sogar noch weit intensiver mit Realität und Wirklichkeit in Verbindung bringen, als die naturwissenschaftliche.
DAS SUBJEKT
Ich will hier nicht die Vorgangsweise der Naturwissenschaft gegen künstlerische Herangehensweisen ausspielen. Es handelt sich einfach um unterschiedliche Methoden, Ergebnisse und Werke.
Und doch müssen wir uns, wenn wir die Ziele und Perspektiven einer “hands-on” – Didaktik reflektieren wollen, mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzen.
Es geht dabei in erster Linie um die Stellung des SUBJEKTS, also der wahrnehmenden und handelnden Menschen.
Die Naturwissenschaft hat das Subjekt methodisch aus ihrer Wirklichkeit ausgeschaltet – und gerade das hat diese Methode so erfolgreich gemacht. Die Naturprozesse werden zu mechanistischen Vorgängen, die “von selbst” ablaufen. Jedes subjektive Eingreifen wird dabei als Störung empfunden, weil es ja das, was von selbst laufen soll, “verfälscht”.
“Von selbst” heisst: so, wie es die exakten Naturgesetze vorschreiben. Und die Wissenschaft will genau diese unverfälschten Naturgesetze erheben.
Wenn da ein Subjekt in die Abläufe eingriffe, dann würden sich nicht die Naturkräfte und Naturgesetze zeigen, sondern der Wille des Subjekts – und auf den ist man ja nicht neugierig.
Das Subjekt soll sich zurückhalten und “die Natur” selbst arbeiten lassen. Das Subjekt soll sich heraushalten – es muss ausgeschaltet werden: es geht nur um die OBJEKTE.
VOM WAHRNEHMEN ZUM BEOBACHTEN
Ganz ohne Subjekt geht es allerdings auch nicht. Irgendwer muss ja “beobachten” und die Naturabläufe – als “Experimente” – inszenieren und einrichten.
Die Physik verhilft sich in diesem Dilemma damit, dass sie das Subjekt – wenn sie es schon nicht völlig ausschalten kann – dann doch streng “normiert” und “standardisiert”; kurz: das Subjekt erhält Vorschriften, an die es sich exakt zu halten hat.
Als Paradox formuliert: Das Subjekt wird verpflichtet, jede Subjektivität zu vermeiden.
Das Subjekt darf nicht mehr “wahrnehmen”, sondern muss “beobachten”. Während es beim Wahrnehmen relativ “frei” war, und in eine direkte Beziehung zu den Phänomenen treten konnte, ganz nach seinem (subjektiven) Geschmack, ist sein Spielraum beim Beobachten sehr eng. Das Subjekt muss dort nach vordefinierten und speziell präparierten Begriffen Ausschau halten, es darf nur registrieren, ob etwas klar Definiertes der Fall ist, oder nicht. Die Realität wird für den Beobachter gleichsam vorbehandelt und er darf nur durch Schablonen auf sie schauen.
Es gibt nur eine herauspräparierte, zweiwertige Alternative, ein “entweder-oder”, “schwarz oder weis”. Der Unterschied zwischen den zwei Fällen, die es zu unterscheiden gilt, wird so auf die Spitze getrieben, dass eine Täuschung, ein Fehler in der Beobachtung ausgeschlossen werden kann.
DAS MESSGERÄT
In der weiteren historischen Entwicklung der Physik wurde dann auch das direkte Beobachten noch ausgeschaltet und etwas Drittes, ein MESSGERÄT, zwischen Phänomen und Beobachter geschaltet.
Nun hat der Beobachter nur mehr einen Zeigerausschlag abzulesen.
Das Subjekt wurde damit um eine weitere Stufe zurückgedrängt.
Völlig ausgeschaltet kann es auch jetzt noch nicht werden, aber seine Vorschriften, die Handlungsanweisungen wurden noch mehr präzisiert. Sie betreffen jetzt den Umgang mit den Messgeräten: wie muss ein Messgerät angelegt werden? Wie abgelesen? …
Mit der Einbeziehung von Messgeräten beginnt eine interessante Weiterentwicklung.
Es zeigt sich, dass ein Messgerät in vielen Fällen weit “empfindlicher” sein kann, als das Subjekt vorher beim direkten Beobachten. Das geht so weit, dass Messgeräte schließlich sogar Dinge “wahrnehmen” können, die für Menschen überhaupt nicht mehr wahrnehmbar sind.
Wenn wir es wieder als Paradox formulieren: Messgeräte können Subjektleistungen erbringen, die kein wirkliches Subjekt jemals schaffte.
Damit wurden Einblicke in neue Welten möglich, zu welchen wir vorher keinerlei Zugang hatten: Unsichtbare und “unfühlbare” Strahlungen, die von immer abstrakter definierten Objekten (Moleküle, Atome, Quarks …) ausgesandt werden.
Wir können wohl sagen, dass diese neuen Welten regelrecht erst durch die Wissenschaft “geschaffen” wurden.
Gab es Moleküle und chemische Verbindungen, bevor die Chemie lernte, neue chemische Stoffe zu “synthetisieren”? Gab es Atome, bevor die Idee entwickelt wurde, die sinnliche Vielfalt der Materialien auf unterschiedliche Atom-Konstellationen zurückzuführen? Gab es Atomkerne, bevor man daran ging, sie zu spalten?
DIE “VERDOPPELUNG” DER WELT UND DAS ÜBERSETZEN
Egal, wie wir diese wissenschaftstheoretischen Fragen beantworten – mit den hoch entwickelten Messgeräten, mit den neuen Objekten und den neuen Theorien ergab sich auch eine neue Aufgabe:
Von nun an brauchen wir “ÜBERSETZUNGEN” aus dieser neuen, theoretischen Welt, die keinem Menschen direkt zugänglich ist, in unsere alltägliche Welt, in der wir leben und zu den “makroskopischen” Dingen, die wir wahrnehmen und mit welchen wir tagtäglich umgehen.
Die Wirklichkeit hat sich “verdoppelt”:
- Einerseits haben wir es nach wie vor zu tun etwa mit einem Apfel: rot gefleckt, duftend und süß;
- Zugleich aber “wissen” wir, dass wir hier eine Unmenge von Molekülen in der Hand halten, die bestimmte elektromagnetische Wellen reflektieren und beim Hineinbeißen gewisse chemische Reaktionen auslösen.
Wir haben alle bestimmte, meist persönlich und kulturell geprägte, Alltagstheorien, durch die wir unsere Wirklichkeiten entwerfen und verstehen und die uns beim Handeln leiten.
Jetzt müssen wir – wollen wir uns “wissenschaftlich” bilden – fortwährend eine Parallelwelt dazu entwerfen und heranziehen.
Und die naturwissenschaftlich untermauerte Welt hat in unserer Gesellschaft heute Vorrang. Im Zweifelsfall, wenn Widersprüche auftauchen zwischen persönlicher und wissenschaftlicher Fassung der Wirklichkeit, erhält fast immer die zweite Recht. Die naturwissenschaftliche Sicht der Dinge ist zum Maßstab auch der sozialen Konfliktaustragung (und das heisst, der Konflikte zwischen Subjekten) geworden, und das, obwohl (oder gerade weil) alles Subjektive aus ihr entfernt wurde.
Vergleichen wir noch einmal:
- Die naturwissenschaftliche Realität hat als Akteure ausgedehnte Objekte, die als gesetzmäßige Mechanismen funktionieren und “von selbst” ablaufen. Subjektive Eingriffe sind verboten und werden durch streng normierte Messhandlungen ersetzt.
- Subjektive Wirklichkeiten hingegen werden in den Beziehungen und Interaktionen zwischen Menschen und “Natur” gebildet. Diese können schöpferisch, phantasievoll und bunt ausfallen und dennoch “wahr” sein.
DAS NATURWISSENSCHAFTLICHE WELTBILD IN DER KRISE
Ich will hier die beiden Wahrnehmungs- und Umgangsweisen nicht gegeneinander ausspielen.
Denn auch in der historischen Entwicklung sind sie längst miteinander “vermischt” worden und sie können und haben einander sogar oft befruchtet.
Wir sollten uns aber bewusst sein, dass diese beiden Arten von Wirklichkeit ganz unterschiedliche Subjekttätigkeiten voraussetzen.
Und das wird heute, da in der Regel eine naive “Wissenschaftsgläubigkeit” vorherrscht, kaum gesehen.
Wir müssen uns entscheiden, welche Art von Realität wir in welchen Lebensangelegenheiten heranziehen und gelten lassen.
Die Naturwissenschaften haben in den vierhundert Jahren ihrer Entwicklung gewaltige Fortschritte erzielt und in unserer heutigen Industriegesellschaft haben wir mittlerweile beinahe alle Lebensbereiche nach ihrer Methode eingerichtet und strukturiert.
Wir leben in einem “naturwissenschaftlichen Zeitalter” und haben ein “naturwissenschaftliches Weltbild”.
Zugleich aber ist dieses “Weltbild” und die Industriegesellschaft, die darauf aufbaut, in eine Krise geraten. Die anfangs genannten Klagen über “Technikfeindlichkeit” und die Sorgen um den wissenschaftlichen Nachwuchs sind nur zwei Symptome dieser Krise, die wohl weit tiefer geht.
Wenn wir die Rolle und die Perspektiven einer “hands – on” – Didaktik umfassender reflektieren wollen, müssen wir uns wohl mit der historischen Entwicklung und der daraus hervorgegangenen heutigen Situation auseinandersetzen.
Welche Rolle soll und kann die “hands-on” – Didaktik dabei einnehmen?
Soll sie die Menschen zurückholen und neu einschwören auf den naturwissenschaftlichen Weg?
Die historische Entwicklung der Naturwissenschaft ist nicht isoliert verlaufen; man spricht von einer “Naturwissenschaftlich-technisch-wirtschaftlichen Fortschrittsspirale”.
Die Naturwissenschaften waren in diesem Sinne wohl nie wirklich “wertfrei” und nur der Neugier und dem “Forschungsdrang” verpflichtet. Von Anfang an waren sie eingebettet in das allgemeine Verhältnis der jeweiligen Gesellschaft zur Natur. Immer ging es darum, Natur und Naturvorgänge nicht nur zu erkennen, sondern auch zu gestalten und zu nutzen – sie zu beherrschen. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert, mit der “industriellen Revolution” begannen die naturwissenschaftlichen Fortschritte die Arbeitswelt zu prägen, später dann auch die Bereiche Verkehr, Wohnen oder Ernährung und schließlich alle Lebensbereiche.
DER ENERGIE-BEGRIFF ALS ROTER FADEN DURCH DIE ENTWICKLUNG
Sehen wir uns diese komplexe Entwicklung an einem zentralen Schlüsselbegriff an – dem Konzept der “ENERGIE”.
Dieser Begriff wurde erst relativ spät, Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt und er steht auch heute im Zentrum der genannten Krise.
Es begann mit dem Begriff der “ARBEIT”, womit zunächst die mühsame, menschliche Arbeit gemeint war. Noch vor der neuzeitlichen Physik hatte man einige sehr praktische Zusammenhänge entdeckt und als “Goldene Regel der Mechanik” bezeichnet. Mit Hilfe von einfachen Mitteln wie Hebel, Rad oder “Schiefe Ebene” lassen sich die menschlichen (Muskel-) Kräfte gleichsam vervielfachen. Allerdings wurde die Freude darüber gleich durch ein “Realitätsprinzip” gedämpft: Was man sich an “Kraft” erspart, muss man durch einen längeren “Weg” wettmachen; es kommt offensichtlich auf das Produkt KRAFT x WEG an.
Diese Größe wurde daraufhin als “ARBEIT” definiert – in Anlehnung an eben die menschliche Arbeit, die man durch derartige Hilfsmittel zu erleichtern trachtete.
Und hier befinden wir uns an einem wesentlichen Punkt in der geschichtlichen Entwicklung:
Die Physik, die ja methodisch alles nach SUBJEKT und OBJEKT trennt, und jegliche Subjektivität ausschaltet, muss nun diesen neu geschaffenen Begriff der Arbeit rein objektseitig anlegen und ausschließlich an die Objekte knüpfen.
Damit fallen aber alle subjektiven Aspekte der “Arbeit” weg. Nicht nur das Erleben und Empfinden von Mühe und Anstrengung, sondern auch eventuelle Freude und Befriedigung.
“Arbeit” wird als rein mechanischer Ablauf, als Bewegung von Massen definiert.
OBJEKTE AN DER ARBEIT: “ENERGIE”
Die große Frage, die nun auftaucht, ist: können wir die menschliche Arbeit nicht nur durch die genannten Hilfsmittel erleichtern, sondern vielleicht überhaupt ganz durch “NATURKRÄFTE” ersetzen?
Ist es möglich, dass wir Naturgegebenheiten – Wasser, Wind oder Wärme – für uns arbeiten lassen und uns selbst ganz heraushalten?
Es war möglich. Und dieses Bestreben gab die weitere Entwicklungslinie der Physik vor.
Die vielfältigen Objekte und Prozesse in der Natur wurden immer genauer erfasst und studiert, von Subjektivität gereinigt und so dargestellt, dass sie als MECHANISMEN miteinander wechselwirken und ein geschlossenes Ursache-Wirkungs-Netzwerk bilden.
Alles läuft nun “von selbst” –die Menschen brauchen sich nicht mehr zu beteiligen.
Die Naturabläufe werden sozusagen “automatisiert”.
Diese Entwicklung hat aber auch eine Kehrseite:
- Die Menschen brauchen sich nicht mehr zu beteiligen, müssen sich nicht mehr abmühen, um gewünschte Arbeitsprozesse in Gang zu bringen und durchzuführen;
- Zugleich heisst das aber auch: Sie dürfen nicht mehr dabei sein; sie würden den automatischen Ablauf stören. Die Prozesse laufen “von selbst” – wenn sie nur richtig eingerichtet und “programmiert” werden – weit problemloser, als in den Händen der Menschen.
Das SUBJEKT wurde eben konsequent ausgeschaltet.
Aus “ARBEIT” wurde “ENERGIE”.
“Energie” ist “Arbeit, die von Objekten “getan” wird; von nun an lassen wir Menschen die Objekte für uns arbeiten. Sie sollen die Arbeit verrichten und wir lassen uns bedienen, wir konsumieren die fertigen Produkte.
Die letzten Schritte dieses Fortschrittsprogramms wurden und werden erst in den letzten Jahrzehnten getan: voll automatisierte Produktionshallen und Delegation von immer mehr auch “geistiger” Arbeit an Maschinen.
“ENTLASTUNG” UND “ENTFREMDUNG”
Diese fortschreitende Entwicklung ist durchaus “zweischneidig”: das nicht mehr “arbeiten zu brauchen” wird bald zum nicht mehr “arbeiten dürfen”.
War es lange Zeit oberstes Ziel, die menschliche Arbeit durch Maschinen-”Arbeit” zu ersetzen, das heisst, Menschen “frei zu setzen” aus täglicher Mühe und Plage, so dauerte es nicht lange, bis man diese “Arbeitslosigkeit” als Problem zu empfinden begann.
Und das ist nicht nur ein Problem der sozialen Umverteilung des “Wohlstands”, welchen die Maschinen für uns erarbeiten.
Das Grundproblem ist wohl: Wenn die menschlichen Subjekte aus dem Arbeitsprozess (so, wie aus der Naturwissenschaft) “ausgeschaltet” werden, und die Objekte von da an “von selbst” arbeiten, so wird den Menschen damit nicht nur die Mühe abgenommen, nicht nur der unangenehme Kontakt mit den Phänomenen, welcher zur “Entfremdung” führen kann, sondern ebenso der positive, interessante, freudvolle und befriedigende Kontakt mit den Dingen.
Wenn die Menschen sich nur mehr als “Herren” bedienen lassen und die programmierten Endprodukte konsumieren, dann sind sie bald ebenso “entfremdet” von den Naturvorgängen – und damit letztlich von sich selbst – wie vorher, als sie allein durch das Besorgen des Notwendigen völlig okkupiert waren.
Es ist in diesem Zusammenhang interessant, dass fast gleichzeitig mit der Entlastung von schwerer körperlicher Arbeit das Bedürfnis nach “Sport” und anstrengenden “Freizeit” – Aktivitäten aufkam.
NATURBEHERRSCHUNG: DISTANZIERTES ZUSCHAUEN UND KONSUMIEREN
Reflektieren wir noch einmal, was geschehen ist:
Die Naturwissenschaft legt über alle Wirklichkeit einen strengen Raster, der alles nach SUBJEKT und OBJEKT trennt und dazwischen eine unüberbrückbare Kluft installiert (den so genannten “Kartesischen Schnitt”). Die Welt der Objekte, die damit von jeglichen subjektiven Zugängen abgeschnitten sind, bleibt in sich geschlossen und soll so erfasst werden, wie sie “von selbst” abläuft. Gesteuert durch Naturgesetze wirken die Objekte wechselweise aufeinander ein und bringen so selbst alle Bewegung und Veränderung hervor.
Die Menschen sind jetzt – durch die besagte Kluft – abgetrennt und dürfen nur mehr aus Distanz beobachten. Sie sind als Subjekte nicht mehr selbst involviert.
Das ist das neue Verhältnis zwischen Menschen und “Natur”, wie es durch die Naturwissenschaft errichtet wurde, ein distanziertes “Herrschaftsverhältnis”. Die “Natur” hat zu gehorchen, zu “funktionieren”.
Wem aber “gehorchen” die Naturvorgänge?
Als SUBJEKTE haben wir Menschen uns ja aus der Naturbeschreibung hinaus manövriert. Wir können nicht mehr direkt eingreifen und die Objekte nach unserem Wunsch und Willen manipulieren.
Die Naturvorgänge laufen jetzt ja “von selbst”, mechanisch und automatisch.
Wir haben uns einen Beobachtungsposten ausserhalb (jenseits der Kluft) geschaffen – dort “sitzen” wir jetzt und sind nicht mehr involviert. Wir verhalten uns als unbetroffene Meta-Subjekte.
Als solche können wir nun die Gesetzmäßigkeiten erkennen, welchen die Objekte gehorchen. Die Frage, woher die Gesetze kommen, “wer” sie den Dingen auferlegt hat, ist sekundär. Wichtig ist, dass die Objekte gehorchen. Es erlaubt uns, die Naturprozesse VORAUSZUSAGEN und mit ihnen zu PLANEN.
Als “Herren” brauchen wir die Objekte nicht mehr an uns heran zu lassen, direkt herum zu schieben, zu heben und zu bewegen. Vielmehr können wir weit gehend auf unserem Beobachtungsposten ruhen und nur an wenigen Schlüsselstellen die Weichen stellen – für Prozesse, die ohnehin “von selbst” ablaufen.
Naturwissenschaftler sind in diesem Sinne “Zuschauer”, die nicht selbst körperlich “arbeiten”, sondern die Naturprozesse für sich arbeiten lassen. Sie sind nicht selbst in ihr Beobachtungsgebiet einbezogen, sie sind nicht den dort herrschenden Gesetzen unterworfen. Sie übernehmen “Leitungsfunktionen” und ihre “Arbeit” verrichten sie im Kopf. Sie wurden zu “Ingenieuren”, die ihre Fähigkeiten vom unmittelbaren Umgang mit den Dingen abziehen und “im Geist” Erfindungen machen.
DIE METHODISCHE ZURÜCKHALTUNG
Fassen wir diese methodische Vorgangsweise noch einmal zusammen:
Die Naturwissenschaft hält sich zunächst aus dem direkten Eingreifen heraus. Die Dinge werden nicht mehr unmittelbar in die Hand genommen und nach Wunsch und Wollen bewegt. (Das war, grob gesagt, die Stufe des “Handwerks” gewesen).
Man hält sich vielmehr zurück und schaut zu.
Aus dem Zuschauen lassen sich in der Folge gewisse Regeln und Gesetze ablesen und “aufstellen”.
Jetzt kann man länger anhaltende, mechanische Abläufe erkennen. Man kann sehen, wie die Naturprozesse verlaufen, wenn man nicht vorher eingreift und sie unterbricht oder abbricht.
Auf diese Weise kann man die Ursachen hervor- und zur Wirkung kommen lassen, die in den Dingen selbst liegen.
Solange man immer gleich eingriff, konnte sich ja nur dieses Eingreifen als Ursache zeigen – ein subjektiv bestimmter Akt. Der Naturprozess hatte gleichsam nicht genügend Zeit, sich selbst zu entwickeln und nach seinen Gesetzmäßigkeiten abzulaufen.
Die ZURÜCKHALTUNG des Subjekts und das ZUWARTEN haben auf diese Weise einen großen Erkenntniszuwachs gebracht.
Allerdings erkennen wir in dieser kleinen Rückschau auch:
Das Subjekt war eigentlich gar nicht ganz ausgeschaltet. Es hatte sich nur zurückgehalten. Es war jenseits der Kluft zwischen Subjekt und Objekt stehen geblieben und hatte die Vorgänge aus Distanz beobachtet.
“Geistig” war es dabei höchst aktiv und aufmerksam geblieben, nur “körperlich” versagte es sich jegliches Eingreifen. Das bedeutet aber: die methodische Spaltung verläuft jetzt auch mitten durch das Subjekt. Die Menschen erfahren sich zunehmend als in “Körper” und “Geist” gespalten. Der “Körper” gehorcht den Naturgesetzen, der “Geist” steht abgetrennt und relativ “frei” gegenüber.
Aber kommen wir nun wieder zurück zur “hands-on”- Thematik.
Was bedeutet dieser Grund legende Zug der naturwissenschaftlichen Vorgangsweise für uns?
Wenn wir den Menschen die naturwissenschaftliche Vorgangsweise vermitteln wollen, dann müssen wir ihnen wohl auch diese “Grundtugenden” der Zurückhaltung und des Zuwartens vermitteln und sie dazu motivieren?
Pointiert gesagt: “hands-on” beginnt mit “hands-off”?
Auf der anderen Seite wollen wir ja gerade diese Spaltung in “Körper” und “Geist” überwinden?
Aber sehen wir uns zunächst die weitere Entwicklung an.
Hinter der methodischen Zurückhaltung der Naturwissenschaft stand ja, so legen es die Texte der Begründer (Descartes, F. Bacon, weniger vielleicht Kepler und Galilei) dieser Methode nahe, das Motiv der Herrschaft. Man hatte den bereits geschilderten Hintergedanken: Wenn wir mittels dieser Zurückhaltung sichere Naturgesetze herausfinden und damit ein systematisches Lehrgebäude errichten, dann können wir zu späterer Zeit weit effizienter und systematischer in die Naturprozesse eingreifen und sie nach unseren Plänen einrichten.
Die kleine Zurückhaltung bringt einen großen Gewinn an “Wissen” und damit Verfügbarkeit der “Natur”.
In diesem Sinne ist die historische Entwicklung dann auch verlaufen.
EINE GRATWANDERUNG ZWISCHEN EINGRIFF UND ZURÜCKHALTUNG
Dabei stellt sich nun immer wieder die Frage: Wann ist genug zugewartet? An welcher Stelle soll das SUBJEKT seine Zurückhaltung aufgeben und – mit der mittlerweile gewonnenen Effizienz – eingreifen und die Weichen stellen?
Diese abstrakte Frage spiegelt sich in der technischen Anwendung auf den Arbeitsablauf recht anschaulich wider:
Wie viel Arbeit nimmt man den Menschen aus der Hand und lässt sie durch Maschinen verrichten?
Nehmen wir das Beispiel “Wäsche-Waschen”.
Man kann den ganzen Waschvorgang von Anfang bis zum Ende manuell verrichten. Das wäre das eine “Extrem” (vor dem Anlaufen der naturwissenschaftlich-technischen Fortschrittsspirale war es der “Normalfall”).
Auf der anderen Seite haben wir heute die Möglichkeit, alles durch eine Waschmaschine, einen “Waschautomaten” durchführen zu lassen.
Neueste Maschinen sind voll “programmierbar” und können die Wäsche sogar noch trocknen.
Es bleibt aber: wie weit wir die AUTOMATISIERUNG (es begann mit “Mechanisierung” und “Rationalisierung”) auch vorantreiben – an irgendeiner Stelle muss dennoch immer wieder die “SCHNITTSTELLE” zum Menschen, zum SUBJEKT kommen.
Sei es das Subjekt, das die geschleuderte Wäsche herausnimmt und zum Trocknen aufhängt, sei es, dass die Wäsche schon trocken herausgenommen wird – vielleicht kann die Maschine auch das Zusammenfalten oder Einschlichten in den Wäschekasten noch übernehmen.
Aber dann steht in jedem Fall immer wieder ein Mensch, der die “Arbeit” konsumiert, die durch den – sei es auch noch so hoch komplexen – Naturprozess erledigt wurde.
DIE “SCHNITTSTELLE” ZWISCHEN SUBJEKT UND OBJEKT
Die Hauptfrage, die wir von diesem Beispiel ableiten können, ist:
Wo legen wir die “Schnittstelle” zum Menschen an?
Wann nehmen wir – nach dem methodischen Zuwarten und Heraushalten – das Subjekt wieder dazu?
An welcher Stelle koppeln wir das SUBJEKT wieder an den naturgesetzlichen Ablauf der OBJEKTE an?
Wie lange lassen wir einem Naturvorgang freien Lauf, trennen uns “körperlich” davon ab und entwerfen ein “geistiges” Bild, bevor wir dann wieder “körperlich” und punktuell die Weichen stellen?
Es ist also durchaus nicht so, und das gilt gleichermaßen für die Naturwissenschaft und ihre technische Umsetzung, dass das Subjekt völlig eliminiert werden könnte oder sollte. Es ist nur die Frage, wann es früher oder später immer wieder auftaucht.
Die “Schnittstelle” zwischen Subjekt und Objekt ist sozusagen flexibel gestaltbar, aber ganz ohne sie gibt es auch keine Naturwissenschaft.
Denn, soweit man das Subjekt auch zurückhält und hinausdrängt, es muss immer wieder ein Punkt kommen, an dem das Subjekt eingreift und den von selbst laufenden Prozess neu “anstößt” und entscheidet, in welche Richtung er laufen soll.
HÄNDISCHES FORMEN ODER “SCHALTEN UND WALTEN”
Das Handeln des Subjekts – sein Umgang mit den Naturvorgängen – hat eine neue Qualität bekommen: Es ist in erster Linie zu einem “Schalten” geworden. Wir schalten die Naturabläufe ein und aus und sie müssen gehorchen – sie “funktionieren”.
Der kontinuierliche “händische” Kontakt mit den Phänomenen ist zu einem punktuellen Knopfdruck – Kontakt geworden.
Die länger dauernden formenden und gestaltenden Hand-lungen an den Dingen (”hands on”) sind zu punktuellen “Befehlen” geworden. Das Hand-werk wurde eben ersetzt durch die automatische Produktion.
Jetzt wird der Kontakt der Menschen mit den Dingen zunehmend “digital” (lat. digitus = Finger); zum Betätigen eines Schalters reicht bereits ein Finger aus.
Man braucht nicht mehr die formende Hand, die etwas kontinuierlich gestaltet, das punktuelle Drücken reicht aus. Und dieser “Knopfdruck” hat auch gar nicht mehr die Aufgabe, etwas zu formen – einer formbaren Materie eine Gestalt zu verleihen – sondern er ist, wie gesagt, ein “Befehl”, ein “Signal”, das eine zweiwertige Entscheidung auslöst: “ein” oder “aus”. Die Maschine – der automatisierte Naturablauf – soll laufen oder nicht laufen; es gibt nichts dazwischen.
Das direkte Formen der Hände im Kontakt mit der Materie, mit dem Material, wird abgelöst durch aufeinander folgende “entweder-oder” – Entscheidungen. Der kontinuierliche Gestaltungsvorgang, wird zu einem “Programm”, in dem die digitalen Entscheidungen aneinander gereiht sind. Dieses Programm wird im Vorhinein erstellt, als rein “geistige” Subjekttätigkeit. Und nachher läuft es “von selbst” mit den Objekten ab. Die Trennung von Subjekt und Objekt wurde konsequent umgesetzt.
Für unsere “hands-on” – Frage ist die Symbolik interessant:
- Beim händischen Gestalten der formbaren Materie muss die Hand in ihrer Bewegung die gewünschte Form nachziehen. Die Form der Handbewegung und die Form der Materie sind identisch.
- Beim digitalen Gestalten hingegen wird im Vorhinein sozusagen die “Form” als etwas “Geistiges” von der “Materie” abgezogen. Das “Geistige” wird programmiert, und die “Materie” hat zu gehorchen.
Wesentlich ist: Das Subjekt arbeitet nicht mehr mit der Hand an den Naturformen, in direktem Kontakt. Vielmehr arbeitet es jetzt nur im Kopf und im Vorhinein. Es macht Planungsarbeit – die Ausführung kommt später; mechanisiert und automatisiert.
“ARBEITSTEILUNG”
Blicken wir noch einmal zusammenfassend auf diese Entwicklung zurück:
So wie zuerst durch die Objektwelt wird nun auch durch das Subjekt selbst die große Kluft gezogen. War die menschliche Arbeit zuerst hauptsächlich “Handwerk”, so wird sie jetzt immer mehr zu einem “Kopfwerk”. Von der Hand wird letztlich nur mehr ein Finger gebraucht, welcher Knöpfe drückt, um der “Materie” die Befehle des “Geistes” zu erteilen.
Die Arbeit ist nicht mehr, wie beim Handwerk, eine “geistig-körperliche” Einheit, sondern die Menschen erfahren sich zunehmend als “gespalten”.
Diese wissenschaftliche Entwicklung wird verstärkt durch die technisch-wirtschaftliche Entwicklung:
- Der “geistige” Teil der Arbeit wird, grob gesagt, übertragen auf “Ingenieure”;
- Der “körperlich-manuelle” Teil der Arbeit hingegen wird von anderen Menschen verrichtet.
Die gesellschaftliche Arbeit wird fortschreitend so gestaltet, dass sie von dem einen Teil der Arbeitenden immer weniger Qualifikationen erfordert. Die Arbeitsabläufe werden zerlegt in kurze, dumpfe, sinnentleerte Schritte, die kaum Geschicklichkeit erfordern und immer aufs Neue wiederholt werden. Erst “von oben” her – durch Ingenieure und Planer – wird dann der, auf diese Weise zerstückelte, Arbeitsprozess wieder zusammen gestellt. Die Arbeit für den einzelnen Arbeiter ist “geistlos” geworden; sie erhält ihren Sinn erst von aussen, von “oben”.
Dieser Entwicklungsschritt, nach einem wichtigen Protagonisten auch als “Taylorismus” bezeichnet, hat die Arbeitswelt völlig neu gestaltet.
Die Trennung in “körperlich” und “geistig” spiegelt sich jetzt auch in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung wider. Überlagert wird sie von der wirtschaftlich-politischen Teilung in “Unternehmer” und “Arbeiter”, welche in eine ähnliche Kerbe schlägt.
Der ganze gesellschaftliche Arbeitsprozess wird durch eine immer differenziertere hierarchische Struktur gestaltet.
EINE DIALEKTISCHE ENTWICKLUNG
Diese zugegebenermaßen etwas zugespitzt formulierte Entwicklung hat allerdings durchaus “dialektischen” Charakter.
Nehmen wir ein konkretes Beispiel aus dem Handwerklichen Bereich: Die Tätigkeiten des Schleifens, Schneidens oder Bohrens, durch die wir aus einem “Material” etwas formen und herstellen können, wurden zunächst völlig händisch ausgeführt. Gerade etwa beim Schleifen und Polieren kommt auch das subjektive “Nachvollziehen” der Formen – und damit das “Einssein” mit den Phänomenen – gut zum Ausdruck. Man berührt und spürt die ästhetische Qualität der Oberfläche, vielleicht den Klang oder auch den Geruch des Materials – die menschliche Empfindung ist eins mit der Qualität des Objekts.
Es wurden dann – unter Benutzung der fortgeschrittenen Kenntnisse der Physik - Maschinen erfunden, die auf Knopfdruck ein- und ausschaltbar sind: Schleifmaschinen, Bohrmaschinen, Kreissägen … und
das Material wird jetzt mit Hilfe dieser Maschinen bearbeitet.
Nun wird zwar durch den Einsatz von Maschinen die Unmittelbarkeit zwischen “Mensch” und “Natur” verringert und die Arbeit erhält etwas mehr an “Herrschaftsgehabe” (der Mensch “schaltet” und die Natur “gehorcht”), aber gerade durch diesen Entwicklungsschritt wird schließlich eine neue Qualität in der handwerklichen Arbeit möglich.
Auf diese Weise kann das Austreiben des Subjekts aus dem Naturprozess (bei der Maschine) das Subjekt in mancher Hinsicht sogar wieder intensiver an die Phänomene heranbringen.
Neue Möglichkeiten im “hands-on” –Kontakt mit den Phänomenen eröffnen sich – eine neue, erweiterte Art von manueller Formgebung. Durch “Subjekt-Ausschaltung” wird das Subjekt souveräner im Kontakt mit dem Objekt.
HERRSCHAFTSVERHÄLTNISS UND HIERARCHIE ALS GRUNDVERFASSUNG
Heute, nach vierhundertjähriger Entwicklung der Naturwissenschaft, haben wir das Privileg, dass wir von einer hohen Warte aus auf diesen Prozess zurückblicken und ihn reflektieren können.
Wir können sowohl die theoretische Entwicklung der wissenschaftlichen Modelle, wie auch ihre technisch-wirtschaftlichen Umsetzungen historisch überblicken.
Wir können uns etwa, um wieder auf das Wäsche-Beispiel zurückzukommen, in die Zeit hineinversetzen, da alles noch händisch getan werden musste, und diese Arbeit vergleichen mit unserem heutigen Wäsche-Waschen.
Wir haben somit heute die Gelegenheit, sowohl die eine, wie auch die andere Art “auszuprobieren” – ebenso sämtliche “Zwischenstufen”. Wir können “auswählen” und haben einen großen Gestaltungsspielraum – ein Charakteristikum der sogenannten “Postmoderne” (Wir müssen auch nicht mehr – wie in der “Moderne” - alles machen, was im Sinne des “Fortschritts” machbar ist).
Wohin hat uns die erreichte Herrschaft über die Natur geführt?
In den Zeiten, bevor wir immer mehr mechanisierte, rationalisierte und automatisierte Naturprozesse eingespannt und für uns arbeiten lassen haben, musste diese mühsame und oft “entfremdende” Arbeit durch Menschen (und Tiere) getan werden.
Und das geschah- in feudalen Gesellschaften – in der Regel im Rahmen von gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen. Die “Herren”, die “Vorgesetzten” gaben Befehle und die “Diener” führten sie aus. Der Arbeitsprozess war weit gehend hierarchisch angelegt.
Durch die zunehmende Herrschaft über die Naturvorgänge konnte ein Teil des Herrschaftsverhältnisses zwischen Menschen auf dasjenige zwischen Mensch und Natur abgewälzt werden.
Geblieben ist aber die Grundverfassung des Verhältnisses – sei es zwischen Menschen oder zwischen Mensch und Natur – als das einer “HERRSCHAFT”. Und auch heute ist die Arbeitswelt noch weit gehend hierarchisch verfasst.
Die Grundverfassung der “naturwissenschaftlich-technisch-wirtschaftlichen Fortschrittsspirale” ist offensichtlich die eines Herrschaftsverhältnisses. Und dieses Grundverhältnis spielt meines Erachtens eine wesentliche Rolle dabei, dass dieser Fortschritt in die Krise geraten ist.
Auch diese Krise hat natürlich wieder die zwei obligatorischen Seiten:
Auf der Objekt-Seite zeigt sich diese Krise als “ENERGIE-KRISE” – wobei diese in komplexer Weise Aspekte wie “Umweltzerstörung”, “Rohstoffkrise” oder “Klimawandel” mit einschließt.
Auf der Subjekt-Seite könnte man sie als Krise der menschlichen “ARBEIT” bezeichnen, wenn man diese in einem sehr weiten Sinn nimmt.
Wir sollten, angesichts dieser Krise daher die Frage stellen, ob auch andere Verhältnisse als das der Herrschaft möglich sind.
HANDS-ON-DIDAKTIK: NEUE BEZIEHUNGSMÖGLICHKEITEN
Und genau mit dieser Frage kommen wir wieder zum Thema “hands-on” zurück. Diese neue Art von Didaktik kann auch ein neues, “herrschaftsfreieres” Verhältnis zwischen Mensch und Natur anregen.
Eine gut angelegte und entwickelte hands-on-Didaktik, so haben wir gesagt, versucht, MENSCH und NATUR in eine “interaktive” BEZIEHUNG zu bringen; das heisst, die Menschen von ihrer reinen “Zuschauer-” und “Konsumentenposition” heraus in eine aktivere und direkte Beziehung zu motivieren, die nicht mehr so stark durch distanzierte Herrschaft und Konsum gekennzeichnet ist.
Sowohl die Herrschafts-Distanz wird aufgehoben, als auch die Ausschaltung der Sinne und der subjektiven Kreativität, und eine Vielzahl an “Subjekt – Objekt – Schnittstellen” wird zugelassen.
Eine gute “hands-on” -Didaktik kann die geschichtliche Entwicklung von Naturwissenschaft und Gesellschaft nachvollziehen, nutzbar machen und nicht allein den letzten Stand des “Wissens” darstellen. Sie schlägt Brücken zu anderen Kulturen und vor allem zur Alltagserfahrung, zur persönlichen Wahrnehmung, Erfahrung und Auseinandersetzung mit “Natur”. Sie regt damit die Reflexion an und erweitert den Horizont unseres Verstehens.
Die “Gleichzeitigkeit” verschiedenster historischer Wahrnehmungs- und Handlungsweisen ist ohnehin kennzeichnend für unser Alltagsleben. Auch wenn wir noch so hoch entwickelte Geräte verwenden, müssen wir die Objekte, die wir bearbeiten, dazwischen wieder ganz primitiv und klassisch in die Hand nehmen und sie heben, schieben, tragen, drücken, stellen … so, wie es die Menschen schon in der Steinzeit getan hatten. Auch, wenn wir aus dem Flugzeug aussteigen, tun wir das wieder zu Fuß.
“Hands-on” heisst in diesem Sinn dann “subject-on” – und das an möglichst vielfältigen historischen, kulturellen und kreativen “Schnittstellen”.
EXPERTEN UND LAIEN
Auf diese Weise macht die “hands-on” – Didaktik das Zielpublikum nicht nur zu “Benutzern” des vermittelten Wissens, sondern fördert darüber hinaus so etwas wie eine “Eigenermächtigung” und Emanzipation. Naturwissenschaft ist dann nicht mehr nur etwas, das von Experten gemacht wird und das es dann gilt, möglichst breit zu verteilen, sondern jeder Mensch ist Fachfrau und Fachmann für die eigene und gemeinsame Beziehung zu “Natur”.
Und alle Zwischenstufen der historischen Entwicklung, auch diejenigen aus “vorwissenschaftlicher” Zeit, sind nicht überholt, sondern bilden wertvolle Beispiele der Auseinandersetzung; sie sind Beispiele und Anregungen dafür, wie man auch wahrnehmen und mit dem Wahrgenommenen gestalten kann.
Jede historische Entwicklungsstufe und jede persönliche, individuelle oder gemeinsame, Begegnung mit “Natur” kann somit zu einer weiteren “Subjekt-Objekt-Schnittstelle” werden.
Erfahrungen etwa, die wir unbeachtet im alltäglichen Leben machen, “Phänomene”, die uns vielleicht gar nicht bewusst werden oder auffallen, weil sie zu weit von der öffentlichen Interpretation von Natur liegen, können in die Auseinandersetzung einfließen.
Durch die “hands-on” – Didaktik werden wir ermutigt und “ermächtigt”, solche Wahrnehmungen und Erfahrungen ernst zu nehmen und darüber mit anderen zu kommunizieren.
VON “OBJEKTIV” ZU “INTERSUBJEKTIV”
Die reine “OBJEKTIVITÄT” kann in Richtung “INTERSUBJEKTIVITÄT” erweitert werden.
- Bei “Objektivität” werden nur mechanistische, “von selbst” und nach Gesetzen ablaufende Naturvorgänge zugelassen – jede Subjektivität wird beseitigt.
- “Intersubjektivität” hingegen erlaubt auch subjektives Wahrnehmen und Eingreifen – wenn es nur “mitgeteilt”, “ausgedrückt” und der Kommunikation zugänglich wird.
Nur für die reine, mechanistische “Objektivität” kann es “Experten” geben. Dort gibt es eine einzige, einheitliche Gesamtwirklichkeit, die eben mechanisch, nach exakten Naturgesetzen abläuft.
Es gibt hier immer nur eine einzige “Lösung”, eine einzig mögliche Ablaufvariante. Und diese kann der Experte objektiv voraussagen.
Im Expertentum kann es, streng genommen nur einen richtigen Lösungsweg geben, so wie ja auch die Naturgesetze einheitlich und eindeutig verlaufen.
Solange noch mehrere Möglichkeiten in Betracht kommen, heisst das nur, dass noch nicht alle “Daten”, alle “Fakten” auf dem Tisch liegen. Der Experte hat dann die Pflicht, diese vollständig herauszufinden.
Ziel ist eben das eindeutige Gesetz, die Naturabläufe müssen auf eine einzige Ablaufvariante hin determiniert sein. Jede andere Variante wird als Widerspruch (in der Theorie) gewertet.
GEMEINSAME WIRKLICHKEIT: EINHEITLICHKEIT UND PLURALISMUS
Eine “Intersubjektivität” hingegen kann (und muss wohl) durchaus “PLURALISTISCH” sein:
- “DASSELBE” Phänomen kann von verschiedenen Subjekten durchaus unterschiedlich wahrgenommen werden. Das muss kein Widerspruch sein.
- Wichtig ist nur, dass in der Folge über diese Unterschiede kommuniziert wird. Auf diese Weise kann schließlich ein “Ein-Verständnis” über unterschiedliche “Vielheit” hergestellt werden.
- Es kann daher durchaus unterschiedliche Wirklichkeiten geben, die nicht auf eine einheitliche Gesamtwirklichkeit reduziert werden müssen. Damit aus der bunten Vielfalt der subjektiven Wirklichkeiten allerdings eine gemeinsame Welt wird, in der wir miteinander leben können, bedarf es der Kommunikation.
Die “Herrschaft” als Grundverfassung kann wohl nur durch verbesserte “Kommunikation” überwunden werden. Das betrifft sowohl die Kommunikation zwischen Menschen als auch diejenige zwischen Mensch und Natur.
DIE ENTWICKLUNG LÄUFT “DIALEKTISCH”
Wir müssen deshalb aber auch nicht das Expertentum, das auf einer streng reduzierten, einheitlichen, mechanistischen und gesetzmäßigen Gesamtwirklichkeit beruht ausspielen gegen eine pluralistische, bunt gefärbte intersubjektive Welt.
Die Produkte der naturwissenschaftlich-technischen Fortschrittsspirale können auf jeder Entwicklungsstufe wieder herausgegriffen und dem direkten, subjektiven Gebrauch zugeführt werden.
Das heisst: Auch wenn die Entwicklung im Spannungsfeld zwischen Gegensätzen, wie:
- mechanistisch – kreativ,
- heraushalten – eingreifen,
- objektiv – subjektiv,
- Qualität – Quantität,
- Experten – Laien,
- Einheitlichkeit – Pluralismus,
- Gesetzmäßigkeit- Möglichkeit,
- usw.
geschieht, ist sie nicht eine Sache von “entweder – oder”, sondern verläuft durchaus dialektisch. Subjektives kann Objekt werden, ein mechanistischer Ablauf kann kreativ eingesetzt werden und das Verstehen von Gesetzmäßigkeiten kann neue Möglichkeiten schaffen.
DER DUALISMUS VON SUBJEKT UND OBJEKT
Kommen wir zum Schluss noch einmal zurück auf die Grund legende Spaltung aller Wirklichkeit in eine SUBJEKT- und eine OBJEKTSEITE.
Hinter dem Bedürfnis nach immer mehr “OBJEKTIVITÄT”, nach immer länger und “von selbst” laufenden Mechanismen, die man aus Distanz kontrolliert und deren Arbeit man konsumiert, steckt wohl auch der Wunsch, letztlich von dieser “NATUR” getrennt sein zu wollen, sich von ihr abzuheben. Wir lassen “die Natur” für uns arbeiten und wollen nicht Teil von ihr sein.
Wir wollen auf der Subjekt-Seite stehen – und die Objekte sollen jenseits der Kluft auf der Objektseite funktionieren. Hier sind wir “geistige” Wesen und können “frei” bestimmen, ohne auf die “Trägheit” der Materie Rücksicht nehmen zu müssen. Es ist wohl ein Missverständnis von “Freiheit”, wenn wir meinen, dass wir “freier” sind, wenn wir unser Tätigsein auf das einseitige “geistige” Manipulieren, auf das “Schalten und Walten”, auf das Planen und beherrschen der Naturphänomene reduzieren.
Ein solcher oder ähnlicher, naiver Dualismus ist in der abendländischen Geschichte immer wieder aufgetreten. Beginnend mit Platonismus und Manichäismus hat er immer wieder zu neuen Frontstellungen geführt: Nominalismus – Realismus, Empirismus-Rationalismus, Materialismus-Idealismus .. .
Eine gute hands-on-Didaktik kann zur Überwindung des Dualismus beitragen, weil sie die Identität von Mensch und Natur, von Subjekt und Objekt, ins Zentrum stellt.
IDENTITÄT VON SUBJEKT UND OBJEKT?
Sehen wir uns das noch genauer an. Betrachten wir irgendeine Empfindung beim Wahrnehmen eines Naturvorgangs, etwa beim Wahrnehmen eines Korbs von reifen Früchten:
Das Sehen der bunten Farben, das Riechen oder das Empfinden der verschiedenen Geschmackseindrücke beim Essen, und fragen wir dann: “wo” ist diese Sinnesqualität?
So müssen wir antworten: sie ist in beiden.
- Einerseits in den Äpfeln, die als Objekte zweifellos diese Qualitäten an sich tragen.
- Andererseits aber auch in den wahrnehmenden Menschen, die als Subjekte erst diese Qualitätsempfindung hervorbringen.
Beide Seiten, Objekt und Subjekt, sind notwendig, damit eine QUALITÄT zustande kommt.
- Es muss sowohl das OBJEKT etwas an sich tragen, das diese Qualität hervorrufen kann;
- Aber auch das SUBJEKT muss fähig sein, dieses “etwas” aufzunehmen und zu seiner Empfindung zu “verarbeiten”.
Nur wenn beide zusammenspielen, können sich beide entfalten. Das eine kann ohne das andere nicht entstehen. Das Subjekt kann die Qualitätsempfindung nur haben und entfalten, wenn es ein Objekt gibt, das die Qualität an sich trägt und “ausstrahlt”. Es ist auf das Objekt angewiesen, wenn es sich nicht mit Halluzinationen zufrieden geben will.
So kann man sagen: die (empfundene) Qualität des Subjekts ist DASSELBE, wie die (”getragene”) Qualität des Objekts.
Das Sein des Subjekts und das Sein des Objekts sind identisch; beide hängen gleichsam am selben Sein, das erst im Zusammentreffen realisiert wird.
Ohne Objekte gibt es kein Subjekt, ohne Subjekte kein Objekt. Beide Seiten bedingen einander. Sie sind identisch und getrennt zugleich.
Nur durch ein Subjekt können die Objekte entfaltet werden, nur in Wahrnehmung und Gebrauch von Objekten können Subjekte Subjekt sein.
Kurz: Das Subjekt-Objekt – Verhältnis ist ein dialektischer Prozess.
AUSBLICK
Wenn wir den dialektischen Charakter der vierhundertjährigen Entwicklung der Naturwissenschaften ernst nehmen, dann brauchen wir sie weder zu verherrlichen noch zu verteufeln.
Wenn die Menschen meinten, nur durch “Herrschaft” über die “Natur” ihr Dasein zum Besseren weiterentwickeln zu können, so können wir das heute als einen Zwischenschritt in der Entwicklung ansehen, der neben bedeutenden Fortschritten auch bedeutende Zerstörungen mit sich brachte.
Aber, nicht zuletzt, weil wir diesen Entwicklungsprozess durchgemacht haben, können wir heute darangehen, “reifere” Beziehungsformen, sowohl zwischen Mensch und Natur, als auch zwischen Mensch und Mensch zu entwickeln, zu erproben und zu verwirklichen.
Eine gute “hands-on” – Didaktik kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.
Josef Greiner
Wien 2009