Malte Brinkmann unterscheidet, dass Üben und Übung sich in der Qualität deutlich unterscheiden. „Üben bezeichnet den individuellen, unvertretbaren Vollzug. Wir Üben pädagogisch inszeniert, spreche ich von Übung. ….. Übung soll den Versuch bezeichnen, das Üben pädagogisch zu artikulieren.“ (Brinkmann, 2008:280). Brinkmann hat es sehr gut auf den Punkt gebracht. Üben tut das Kind von sich aus, aus dem Alltagsgeschehen, wogegen eine Übungsstunde direkt von der Lehrerin/dem Lehrer inszeniert wird.
Es gibt im Volkssmund auch jede Menge Zitate, wie „Früh übt sich“. Üben ist eine „primäre Lernform“, beschreibt Brinkmann weiter. Es wird von Geburt an geübt bis zum Lebensende (vgl. Brinkmann, 2008:281).
Das Ziel des Übens ist „Meisterschaft“, „gekonnte Perfektion“, „Vollkommenheit“ (vgl. Bollnow 1978). Die Übung übernimmt die Funktion der Sicherung und Automation von Fähigkeiten und Fertigkeiten im Unterricht.
„Üben und Übung zielen nicht nur auf eine Sache, die geübt wird und im frühen und wiederholten Üben besser gekonnt werden soll; nicht nur auf die Aneignung einer Technik, mit der die Sache geübt wird; sondern auch auf den Übenden selbst, auf seine Haltungen und Einstellungen, die sich in seinem Handeln zeigen.“ (Brinkmann, 2008:281)
An dieser Stelle möchte ich eine Frage stellen: Brinkmann geht davon aus, dass das Üben der Übung vorangeht. Gibt es nicht manchmal in unserem Lehrerleben auch Situationen, bei denen die Kinder erst üben und ich den Kindern erst dann zeige, wie etwas geht und sie dann durch das Üben dazu bringe, ihre Fertigkeiten richtig einzusetzen?
Ein Beispiel aus meiner Schulpraxis:
Vor einigen Jahren habe ich mit meiner damaligen 3. Klasse an einem Forschungsprojekt zum Thema: „Wann ist der bestmögliche Zeitpunkt, dass Kinder das Tastaturschreiben erlernen sollen?“, teilgenommen. Die Kinder waren ganz begeistert von der Übungs – CD – Rom, wo sie um die Wette die verschiedenen Levels erreichen wollten. Wer das Übungsprogramm erfolgreich absolviert hatte, durfte mit anderen Kindern in einem dazu vorgesehenen kleinen „Chatroom“ kommunizieren. Den Kindern wurde bald klar, dass sie beim Schreiben ein gewisses Tempo haben mussten, da es sonst schnell „fad“ wurde. Also haben sie hierbei geübt und geübt und geübt, bis sie wirklich Spaß an der Sache hatten. Es war ein sehr lustiges Experiment, das den Kindern und mir ziemlich Spaß machte, owohl ich selber vom Tastaturschreiben kaum eine Ahnung hatte.
Die Kinder haben erst durch ein Übungsprogramm das Tastaturschreiben geübt und dann waren sie soweit, dass sie das Üben durch eigenen Antrieb selber wollten. Es wird sehr schnell „fad“, wenn der Gesprächspartner nicht schnell antwortet!