Mittwoch, September 23rd, 2009...22:21
Medien und “Versteckte Kamera”
Medien sind manipulativ und bewegen sich mit dem Konstrukt Versteckte Kamera auf einer Gratwanderung zwischen rechtlich noch Zulässigem und oft kaum mehr Vertretbaren.
So amüsant vielleicht seichte Unterhaltungssendungen, die auf Kosten heimlich Gefilmter gedreht werden, auch sein können, so fragwürdig ist bereits der sogenannte Aufdeckungsjournalismus, der oft nur noch verzerrte Halbwahrheiten ans Licht bringt und diese den Rezipienten als Tatsachen präsentiert.
Als besonderes Negativbeispiel müssen die Aktionen der Yes Men Gruppe bewertet werden. Diese Gruppe stellt gefakte Seiten von z. B. der WTO ins Netz und kontaktiert über diese Website reale Organisationen mit völlig überzogenen Forderungen. Interessierten Lesern/Leserinnen empfehle ich den folgenden Link: http://theyesmen.org/
1 Kommentar
September 29th, 2009 at 17:21
Yes Men – siehe theyesmen.org – verwenden gezielt Instrumente der Kommunikationsguerilla. Dabei wird versucht, wie auch bei Satire oder interaktiven Strassentheater , als Schwächere mediale Reaktionen Stärkerer auszulösen. So kann z.B. durch Verbreitung einer gefakten Nachricht eine mediale Antwort provoziert werden, die demaskierend wirkt.
Z.B. wurde in der BRD die Webseite des Arbeitsamtes gefaked und darin ein Antrag auf bedingungsloses Grundeinkommen publiziert – nach Einlauf einer Unzahl solcher Anträge sah sich die Regierung gezwungen öffentlich zu bekennen, dass es KEIN Grundeinkommen gibt bzw. beabsichtigt wird. Eine Klarstellung, die lange Zeit in der Deutlichkeit auf keine Journalistenfrage gegeben wurde.
Die Aktionen der YesMen sind aus meiner Sicht keinesfalls als Negativbeispiel mit dem Voyeurismus der “Versteckten Kamera” gleichzusetzen. Die verdeckten Aktionen eines Günther Wallraff haben schon an verschiedenen Stellen zur Verbesserung realer Arbeitsbedingungen beigetragen. Es geht bei all diesen Aktionen niemals um “ein Lachen über” jemanden inkl. Schadenfreude, sondern um eine Form der politischen Auseinandersetzung, wobei es den ReziepentInnen überlassen bleibt, die jeweiligen Statements zu bewerten.
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