Soziale Medien im Unterricht

„Social Media“ sind etwas mehr als zehn Jahre nach dem Auftauchen des Begriffs „Web 2.0“ zu einem beherrschenden Thema in unser aller Lebenswelten geworden – in der privaten Kommunikation genau so wie im öffentlichen, medialen und politischen Diskurs. Was heißt das für die Schule?

Um sich der Frage anzunähern, welche Bedeutung Soziale Medien für Schule und Unterricht haben, könnte das so genannte Dagstuhl-Dreieck herangezogen werden. Das Dreieck ist als Teil der Dagstuhl-Erklärung eines der Ergebnisse einer internationalen deutschsprachigen Tagung von Vertreterinnen und Vertretern aus der Medienpädagogik, der Informatik und der Wirtschaft, die im Februar 2016 stattgefunden hat. Das Dreieck ersetzt den problematisch verkürzten Begriff „Digitale Bildung“ durch „Bildung in der digital vernetzten Welt“ und fordert dazu auf, in der Auseinandersetzung mit Phänomenen, Gegenständen und Situationen aus ebendieser digital vernetzten Welt jeweils drei Perspektiven einzunehmen, was im Folgenden am Beispiel der Sozialen Medien illustriert wird.

Das so genannte Dagstuhl-Dreieck (Quelle: Dagstuhl-Erklärung, Gesellschaft für Informatik)

Das so genannte Dagstuhl-Dreieck (Quelle: Dagstuhl-Erklärung 02/2016, Gesellschaft für Informatik)

In der anwendungsbezogenen Perspektive geht es darum, wie Soziale Medien für den Unterricht genutzt werden können, wobei dies nicht auf die Frage reduziert werden sollte, ob und wie Facebook, WhatsApp & Co. zur unterrichtsbegleitenden Kommunikation eingesetzt werden. Wird nämlich ein erweitertes Verständnis von „Social Media“ zugrundegelegt, so gibt es nämlich neben der Kommunikation eine Fülle von Web 2.0-Anwendungen und Apps, die zur Zusammenarbeit beim Lernen genutzt werden können, um beispielsweise in Kleingruppen online Mindmaps oder interaktive Präsentationen zu gestalten oder über ein Pad oder ein Wiki kollaborativ Texte zu schreiben. Diese Möglichkeiten bieten sich nicht nur für den Unterricht innerhalb einer Schule, sondern auch in der schulübergreifenden Zusammenarbeit, wie dies insbesondere auf der Ebene der Lehrer/innen im österreichweiten Cluster eEducation Austria praktiziert wird.

Häufig vernachlässigt wird die technologische Perspektive. Durch deren zunehmende Komplexität werden Computer und Internet immer mehr zu einer „Black Box“. Dabei ist es unerlässlich, wenigstens Grundwissen über die Funktionsweisen von Smartphones, Webplattformen und Apps und zugrundeliegenden Algorithmen zu haben, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen Daten haben sowie Risiken und Chancen besser einschätzen zu können. Durch Behandlung dieser Aspekte im Unterricht sollte gerade bei Kindern und Jugendlichen, die mit allgegenwärtigen digitalen Medien aufwachsen, das Bewusstsein geschärft werden, dass wir uns in von Menschen entworfenen technologischen Kommunikationsräumen bewegen.

Dies ist gleichzeitig der Übergang zur dritten Perspektive, der gesellschaftlich-kulturellen: Wie wirken die Sozialen Medien auf uns? Welche mitunter neuen Phänomene gibt es da, wie beispielsweise Cybermobbing oder viral sich verbreitende Neuigkeiten? Wie können mit Hilfe Sozialer Medien Meinungen beeinflusst oder sogar manipuliert werden? Die Thematisierung solcher kritischer Fragen im Unterricht ist besonders wichtig, um den digitalen Technologien nicht hilflos ausgesetzt zu sein, sondern an deren Gestaltung als Individuum und Teil unserer Gesellschaft zu partizipieren und an einer digitalen Kultur aktiv mitzuwirken.

Um Kernaufgaben der Allgemeinbildung wie Förderung von Verantwortungsbewusstsein, Urteilsfähigkeit, Kreativität, Selbstbestimmtheit, Partizipation und Befähigung zur Teilnahme am Arbeitsleben in der Schule zu bewältigen, müssen Inhalte und Kompetenzen der Informatik und Medienbildung verknüpft, verpflichtend im Curriculum aller Schulformen verankert und fortlaufend in möglichst vielen Gegenständen integriert werden, wie dies aktuell auch Bildungsministerin Hammerschmid fordert. Der Einsatz Sozialer Medien im Unterricht bietet eine Fülle von Möglichkeiten dafür, und zu allen genannten Bereichen bietet das ZLI der PH Wien Fortbildungsseminare für Lehrer/innen an, u. a. auch in Kooperation mit der Initiative Saferinternet.at und der Österreichischen Computer Gesellschaft.

Dieser Beitrag ist für den Newsletter 01/2017 von Mediamanual.at erschienen.

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