31 Dez

Das „Scratchen“ im Mumok – Kunst und Technik unter einem Dach

Foto:privat

Als ich zum ersten Mal den Begriff „Scratch Lab“ hörte, konnte ich damit rein gar nichts anfangen. „Was hat Programmieren mit Museum zu tun?“, war wohl eine der ersten Fragen, die mir durch den Kopf schoss. Nun, eine ganze Menge! Benedikt Hochwartner leitet das „digitale Atelier“ im Mumok Wien. Obwohl Benedikt seine Ausbildung nicht in den Fokus rücken wollte, finde ich es dennoch sehr spannend, dass er sowohl Kontrabasslehrer, als auch im technischen Bereich sehr versiert ist. Weshalb das „Scratchen“ für ihn so wichtig ist, ist schnell erklärt: Kinder und Jugendliche sollen erkennen, dass stets eine Person mit ihren Ideen und Vorstellungen hinter einem Programm steckt und nichts „einfach so“ passiert. Außerdem sei es wünschenswert, dass Programmieren nicht nur als Privileg oder besondere Fähigkeit einiger weniger technikaffiner Personen gilt, sondern dass bereits bei jungen Menschen ein Verständnis geweckt wird, wie diese Vorgänge funktionieren. Kritisches Denken und die Ermächtigung, selbstständig zu handeln sind wichtige Säulen, auf denen das Konzept des Vermittlungsangebots beruht.

Mehrmals trifft sich eine gleichbleibende Gruppe Kinder in den Semesterferien oder sogar wöchentlich über ein ganzes Semester verteilt, um Grundkenntnisse des Programmierens zu erlernen und ihre eigenen Ideen anschließend kreativ damit zu verknüpfen und umzusetzen. Viele Kinder und Jugendliche wollen vor allem eines: eigene Computerspiele entwickeln. Aber „Scratchen“ ist und kann viel mehr, weshalb einige TeilnehmerInnen sogar über mehrere Semester hinweg im Kurs bleiben.

Wie funktioniert es nun überhaupt, dieses „Scratchen“?
Jede Einheit startet mit dem Besuch einer Ausstellung, wobei jeweils verschiedene Themen von Farbwahl über Farbtechniken, Material etc. im Fokus der Analyse stehen. Im Atelier wird der Bezug zum Besprochenen hergestellt, daraufhin Befehle und Werkzeuge eingeführt, welche im Anschluss selbstständig am Laptop getestet werden können. Die TeilnehmerInnen setzen Lerninhalte sofort in die Praxis um beziehungsweise die Arbeit an ihren anderen Scratch-Projekten fort. Die Peer-MentorInnen arbeiten ebenfalls an ihren Projekten, unterstützen Benedikt zudem aber auch dabei, die Fragen der Kinder und Jugendlichen zu beantworten und Hilfestellungen anzubieten.
Abschließend erfolgt eine Projektpräsentation durch ein von Benedikt ausgewähltes Kind, gezwungen wird dazu jedoch niemand. Die TeilnehmerInnen geben dazu Auskunft über ihre Idee, aufgetretene Probleme und wie diese gelöst wurden, beantworten Fragen und stellen sich dem konstruktiven Feedback der interessierten KollegInnen dazu. Auf die Wichtigkeit dessen und wesentliche Faktoren weist Benedikt immer wieder hin: „Immer erst sagen, was dir gut gefallen hat.“

Das bis heute frei verfügbare Programm zum „Scratchen“ wurde in den USA entwickelt und meint eine visuelle Programmiersprache aufgeteilt auf drei Spalten: verschiedene Farbschemen, Programmierbefehle, Ausführung. Alle drei Teile sind nebeneinander stets zu sehen und beliebig überarbeit- und kombinierbar. Es ist höchst faszinierend, mit wie viel Hingabe, Motivation und Kreativität die Kinder Lösungen erarbeiten und mit wie viel Ausdauer sie an ihren Projekten „dranbleiben“. Ein Loblied auf die intrinsische Motivation in Verbindung mit handlungsorientiertem Lernen und darauf, dass Technik und Kunst eine spannende Kombination ergeben kann und nicht „staubtrocken“ sein muss, wie viele PädagogInnen bis heute vermuten.

20 Nov

Die medien.welten im Technischen Museum Wien

& was es dort alles zu entdecken gibt

Da ich schon bei einem vorherigen Besuch des Museums von den medien.welten sehr beeindruckt war, wollte ich diesem Bereich diesmal mehr Aufmerksamkeit schenken. Der Bereich befindet sich im obersten Stock des Museums, zusätzlich gibt es noch das techLAB und das Filmstudio einen Stock darunter. Auf über 2.500 m2 befindet sich eine beeindruckende, vielfältige Sammlung verschiedenster Ausstellungsstücke. Die Erfindung des Buchdrucks, die Speicherung und Übermittlung von Daten, Fernsehen, Massenmedien die Entwicklung der Post, Telefone, Internet, Ton, Kino,… sind nur einige Themen, zu denen man hier viel erfahren, nachlesen und teilweise auch ausprobieren kann. Für den Primarstufenbereich bieten sich viele Bereiche an, zu denen man fächerübergreifend arbeiten kann (Briefe schreiben, Verkehr [Fortbewegung mit Kutschen etc. – Post, Schriftspracherwerb, Historisches,… – Buchdruck, Ton – Musik, diverse Bildergeschichten und Erlebniserzählungen etc.). Besonders spannend stelle ich mir einen Besuch mit einer Klasse vor, wenn ein Thema bereits behandelt wurde, beispielsweise verschiedenste Aufnahmen mithilfe von Mikrofonen getestet wurden und die Kinder nun entdecken können, wie die Aufnahmegeräte früher aussahen und wie die Verarbeitung funktionierte. Das Thema Fotografie können die Kinder ebenso eindrucksvoll erleben und möglicherweise sogar noch bei sich selbst zuhause Bilder in Schwarz-Weiß ihrer Urgroßeltern entdecken oder ihren FreundInnen beim nächsten Besuch in einem Museum erklären, warum die Personen auf Bildern früher so unfreundlich aussahen (langes Stillhalten). Sehr spannend fand ich persönlich, neben der großen Palette an Informationen und Ausstellungsstücken, den Bereich „Propaganda“, welcher mit verschiedensten Zeitschriften zu dieser Thematik aufwartete. Insbesondere die Thematik der NS-Zeit stelle ich mir für geschichtsinteressierte Kinder der Primarstufe und SchülerInnen der NMS/AHS-Unterstufe sehr faszinierend vor.