25 Jun

E-Learning – Schule der Zukunft?

Am 16.03.2020 wurde der Unterricht an Schulen, wegen der hohen Ansteckungsgefahr durch COVID-19, auf Anweisung der Bundesregierung, durch Distance-Learning / Homeschooling ersetzt. Die Schulen standen nur noch für Schüler/innen offen, die zu Hause nicht betreut werden konnten. Zu Beginn wurden Lehrer/innen angehalten, Übungsmaterial für ihre Schüler/innen herzustellen, um den Stoff, der bis dorthin gelehrt wurde, zu vertiefen. Neue Inhalte konnten nach Ostern vermittelt werden bis zur Wiedereröffnung der Schulen, welche Mitte Mai erfolgte.

Nun stellt sich die Frage wie das Homeschooling (Home-Learning) tatsächlich umgesetzt wurde, wenn wir davon ausgehen, dass die Schüler/innen zu Hause einen Zugang zu Computern und Internet hatten. (vgl. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, am 16.04.2020: https://www.bmbwf.gv.at/Ministerium/Informationspflicht/corona/corona_status.html)

Durch zahlreiche Gespräche mit Lehrpersonen, fiel uns auf, dass einige Tools vermehrt verwendet wurden wie: Schoolfox und WhatsApp zum Kommunikationsaustausch, wobei die Lehrpersonen betonten, dass ihnen der Austausch über WhatsApp grundsätzlich unangenehm sei. Nur leider führte bei manchen Lehrkörpern kein Weg daran vorbei. Zum Vermitteln von Lerninhalten wurde gehäuft die Antonapp, Padlad (Wochenplan erstellen), learningapp.org (Lernspiele erstellen) und LMS (Lernen mit System, ähnlich wie Moodle) genutzt. 

Da die Schoolfox-App zurzeit sehr beliebt ist, haben wir uns da einige Gedanken gemacht und gehen im Folgenden näher darauf ein.

Schoolfox

https://schoolfox.com/lehrer/?ref=home

Schoolfox oder auch “der sicherer Schul-Messenger” genannt, ist derzeit eine beliebte App für Schulen, um die Kontaktaufnahme zwischen Lehrer/innen und Eltern zu erleichtern. Die App kann auf Smartphones, Tablets oder Computern installiert werden. Der Austausch und die Koordination werden durch gewisse Funktionen, die auf der App möglich sind, vereinfacht. Eltern können Mitteilungen digital Bestätigen oder sogar handschriftlich über das FoxSign unterschreiben. Listen, Elternsprechtage und Terminverwaltung können über Schoolfox ausgemacht und fixiert werden, die durch eine automatische Erinnerung bei allen, die es betrifft, aufscheint. Es gibt auch die Möglichkeit, die Übersetzungsfunktion zu wählen, um es für jede Person verständlich zu machen.

Das hört sich alles im ersten Moment für manche vielleicht großartig an, andere sehen es wiederum zweigeteilt oder lehnen es im Ganzen ab.

Warum könnte diese App Lehrer/innen und Eltern zusagen?
Vermutlich, weil der totale Einblick in das Schulgeschehen ihrer Kinder möglich gemacht wird. Noten, Hausübungen, Projekte und vieles mehr können Eltern mitverfolgen.

Die kritischen Augen in der Gesellschaft könnten es jedoch auch als Überwachung interpretieren. Der Begriff „Helikopter Eltern“ wird vielen bekannt sein und sagt genau das aus. Eltern, die gerne den Überblick über ihre Kinder nicht verlieren möchten, haben so die Chance jede Nichtigkeit zu erfahren.

In dem Kurier Artikel „App statt Mitteilungsheft: Wollen wir das?“ vom 11.01.2018 wird eine Wiener Kinderpsychologin zitiert, die meint, dass solch eine Überwachung, Kindern nicht guttun würde.
Geheimnisse vor den Eltern zu haben ist wichtig, um sich selbst auszuprobieren und seine eigenen Grenzen zu testen. Auch das Erfahren von Konsequenzen, durch fehlerhaftes Verhalten ist ein Teil der Entwicklung, die Kinder durchleben sollten. Jede/r von uns kann eine Geschichte aus der eigenen Kindheit erzählen, in der man etwas Verbotenes gemacht hat. Dürfen die nächsten Generationen keine eigenständigen Entscheidungen mehr treffen. Ist Überwachung unsere neue Zukunft?

Die App verspricht auch einen Einblick in den Schulalltag. Bildmitteilungen können versendet werden, wo sich wiederum die Frage stellt, inwieweit Fotos von Kindern versendet werden sollen und dürfen? Es ist zwar eine nette Idee, aber ist es wirklich nötig sofort nach jedem Lehrausgang Fotos am Handy oder Computer davon zu haben? Bilder können auch am Ende des Schuljahres auf eine CD kopiert werden und als Abschlussgeschenk mit nach Hause genommen werden. Die Schüler/innen können auch ohne Fotos ihre Eindrücke der Lehrausgänge oder der Projekte schildern. Sollte man als Lehrperson, nicht im Geschehen aktiv dabei sein und weniger darauf achten, dass schöne Fotos entstehen, die man den Eltern auch schicken kann.

Einen sehr positiven Aspekt hat die App-die Übersetzungsfunktion. Endlich wird auf die Sprachbarriere der einzelnen Familien eingegangen. Es gibt leider erst 14 Systemsprachen, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Mehrsprachigkeit wird uns weiterhin begleiten. Es war an der Zeit, Wege für eine Kommunikation zwischen den Schulen und Familien mit einer anderen Erstsprache zu schaffen.

Dennoch sollten sich Lehrperson über die Überwachungschance, die für Eltern erschaffen wird, bewusst sein. Als Terminvereinbarung für Elterngespräche und wichtigen Mitteilungen ist die App sehr sinnvoll. Besonders für Eltern mit einer anderen L1. Jedoch ob Hausübungen und Noten wirklich ersichtlich sein sollen, ist zu reflektieren.

Zudem gilt es Lehrperson zu bedenken, ob man Schoolfox wirklich nutzen möchte. Neben den erwähnten positiven Aspekten, sollte man sich fragen, ob man denn wirklich so einfach, nonstop und ständig für die Eltern erreichbar sein möchte. Natürlich muss man nicht rund um die Uhr auf die App schauen und zugreifen, aber man kann trotzdem zu jedem Zeitpunkt Nachrichten erhalten. 

Lerncafe

Die erste Frage, die sich wohl viele stellen werden, ist: “Was genau ist denn ein Lerncafé?”. In den Lerncafés werden Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 15 Jahren beim Lernen, Hausaufgaben und der Vorbereitung auf Schularbeiten und Tests unterstützt. Das Schöne daran ist, dass dieses Angebot kostenlos ist. Das hat den Grund, dass gerade Familien, deren Kinder dringend Hilfe bei der Bewältigung der Hausaufgaben und der Vorbereitung auf Schularbeiten und Tests brauchen, sich oftmals einfach eine Nachhilfe leisten können. Daher hat die Caritas ein kostenloses Lern- und Nachmittagsbetreuungsangebot ins Leben gerufen. Dieses soll Familien unterstützen, die sich keine herkömmliche Nachhilfe leisten können. Im letzten Schuljahr konnten 96% der Schüler*innen das Schuljahr positiv abschließen. 

Lerncafés gibt es natürlich nicht nur in Vorarlberg, sondern in ganz Österreich. Insgesamt gibt es 54 Lerncafés in ganz Österreich und dort werden 2100 Schüler*innen betreut. 

Jedes Lerncafé hat eine*n Koordinator*in (in manchen Fällen gibt es auch zwei), die das Lerncafé leitet und die organisatorischen Aspekte übernimmt. Das Herz der Lerncafés sind in jedem Fall die zahlreichen Freiwilligen, die ihre Freizeit den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stellen und bei den Hausaufgaben helfen. Viele von ihnen sind bereits pensioniert, haben aber große Freude an ihrer Arbeit mit den Kindern. Österreichweit dürfen die Lerncafés auf 940 (!!!) Freiwillige zählen. 

Über neue Freiwillige freut sich die Caritas übrigens immer, vielleicht gibt es ja auch ein Lerncafé in deiner Nähe? 😉 

Für unseren Podcast haben wir mit Bea Bröll, BA gesprochen. Sie ist Stellenleitung der neun Lerncafés der Caritas der Diozöse Feldkirch in Vorarlberg. Sie war auch viele Jahre lang die Koordinatorin des Lerncafés in Dornbirn und hat es mit aufgebaut. 

Wir haben mit Bea Bröll über ihre Arbeit in den Lerncafés und die Zeit der Schulschließungen, aufgrund von Covid19, gesprochen. Mit welchen neuen Herausforderungen sie zu kämpfen hatte, wie es mit dem Nachhilfeangebot weiterging und was in der Zukunft geplant ist, erzählt sie uns im Podcast. 

Nun stellt sich die Frage, welches Tool das Lerncafe vermutlich nutzen könnte. Eine Möglichkeit wäre, die von Microsoft entwickelte Plattform, “Teams”:

Teams

Was ist Teams eigentlich?

Microsoft hat diese Plattform entwickelt, um eine Art „Online-Arbeitsplatz“ zu schaffen. Teams vereint mehrere Produkte von Microsoft365 (Outlook, SharePoint, Skype) mit sozialen Medien, wie Twitter. Es gibt eine Chat-Funktion (auch Video-Chat), die Möglichkeit, Meeting zu erstellen und beizutreten und das Teilen des gewohnten Microsoft Office-Dokuments (Word, PowerPoint, etc.). Ein gemeinsames Arbeiten und eine Kommunikation zwischen ArbeitskollegInnen sollen so, trotz des Arbeitens von Zuhause aus, gewährleistet werden. Das Home-Office soll damit also ermöglicht bzw. vereinfacht werden.

Um seine Aufgaben und Termine im Überblick zu behalten, bietet Teams außerdem eine Kalender- und Aufgaben-Funktion, welche auch für den Schul-Gebrauch relevant sein können (darauf gehe ich im Folgenden nochmals näher ein).

Wer kann Teams nutzen?

Jede/r die/der Microsoft365 bereits installiert hat, erhält nach einem Update, automatisch die neue Plattform. Windows-, Android- und iOS-Nutzer/innen können sich Teams auch auf ihr Smartphone oder Tablet laden. Als Lehrkraft, SchülerIn oder StudentIn ist der Zugang zu einem Microsoft Office-Konto kostenlos.

Wie funktioniert die Plattform?

Textfeld: Auf der Startseite findet man in dieser Navigations-Leiste alle Funktionen, die Teams anbietet. Zu Beginn wird einem immer der Punkt „Aktivitäten“ angezeigt, bei dem man auf einem Blick sehen kann, welche Aufgaben noch zu erledigen sind, welche Meetings anstehen, etc.
Auf der Startseite findet man in dieser Navigationsleiste alle Funktionen, die Teams anbietet. Zu Beginn wird einem immer der Punkt „Aktivitäten“ angezeigt, bei dem man auf einem Blick sehen kann, welche Aufgaben noch zu erledigen sind, welche Meetings anstehen, etc.
Unter dem Punkt „Chat“ kann man einzelnen Person Nachrichten schicken.
Textfeld: Unter dem Punkt „Chat“ kann man einzelnen Person Nachrichten schicken.
Hier kann man seine „Teams“, also Gruppen, erstellen und im Überblick behalten. Dabei entsteht eine Art Gruppenchat, an dem sich ausgewählte Mitglieder beteiligen können.
Der Kalender ermöglicht der Nutzerin/dem Nutzer, ihre/seine Termine im Überblick zu behalten.
Textfeld: Hier kann man seine „Teams“, also Gruppen, erstellen und im Überblick behalten. Dabei entsteht eine Art Gruppenchat, an dem sich ausgewählte Mitglieder beteiligen können.
Unter dem Punkt „Anrufe“ findet man all seine Kontakte, welche man hier anrufen kann. Sowohl ein Video-Anruf als auch ein Audio-Anruf ist möglich.

Wie kann Teams im Unterricht eingesetzt werden?

Gerade während des Home-Schoolings, konnte diese Plattform als virtueller Klassenraum dienen. Die Lehrperson konnte ein „Team“ mit allen Klassenmitgliedern erstellen und alle relevanten Informationen, Unterlagen und Aufgaben darin teilen. Auch die Video-Anrufe konnten hier sehr einfach gestartet werden. Das nächste Meeting konnte dann einfach im Kalender vermerkt werden (so diente der Kalender als eine Art Stundenplan). Bei persönlichen Fragen an die Lehrperson oder an die Schülerin / den Schüler, konnte ganz einfach ein persönlicher Austausch mit der Chat-Funktion gestartet werden.

Aber auch in Zukunft bietet sich Teams als Organisations-Plattform für den Unterricht an. Termine und Aufgaben können so gut im blick behalten werden. Der Vorteil ist, wenn ein Schüler oder eine Schülerin mal vom Unterricht abwesend sein sollte, ist es ihr/ihm trotzdem möglich alle wichtigen Informationen und Aufgaben zu verfolgen bzw. zu erledigen, da diese hier festgehalten werden können.

Die SuS können ihre Aufgaben nicht nur im Überblick behalten, sondern auch direkt an die Lehrperson schicken und abgeben.

Diese Plattform eignet sich bestimmt sehr gut für SuS, welche sich bereits mit dem Computer etwas besser auskennen, bzw. mit dem Online-Learning im Allgemeinen etwas vertrauter sind. Ob PrimarstufenschülerInnen mit diesem Tool genauso gut umgehen können, ist fraglich.

24 Jun

Grenzen und Chancen der digitalen Medien im Heimunterricht der Primarstufe – Homeschooling4kids

Medien sind aus der heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken und spielen bereits in der Lebenswelt von Kleinkindern eine wichtige Rolle. Schon von klein auf werden wir mit unterschiedlichsten Medien konfrontiert. Die Medienangebote reichen dabei von Büchern über Druck- und Schreibmedien, Ton- und Bildträgern verschiedenster Art, dem Hörfunk und dem Fernsehen, Telefonen und Smartphones bis hin zu computer- und internetbasierte Medien.
Auch die inhaltlichen Angebote sind sehr vielfältig. Sie können der Unterhaltung, als Werbung oder als Mittel für Massen- und Individualkommunikation dienen. Durch Medien können aber auch Bildungsangebote in Form von Schul-, Kinder- und Bildungsprogrammen bereitgestellt werden.
Durch die Ausweitung der herkömmlichen Kommunikationsmittel durch digitale Medien können die Inhalte nicht mehr nur als verbaler Text oder al Bild angeboten werden. Die Inhalte können in vielfältigen Formen kombiniert und interaktiv in virtuellen Umgebungen verbunden und verarbeitet werden. Dies eröffnet besonders im Bildungsbereich neue Wege. (Baacke 1996)
Gerade in Zeiten von COVID – 19 ist es wichtig, über digitale Kenntnisse und Werkzeuge zu verfügen, um am beruflichen, schulischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. (Tulodziecki/Herzig/Grafe 2019: 15f)

Durch die zunehmende Digitalisierung eröffnen sich allerdings auch neue Herausforderungen für Schüler und Schülerinnen, wie auch für Lehrpersonen.
Auf welche Grenzen die Beteiligten stoßen können, wird nun in Folge erläutert.

Grenzen und Herausforderungen der Digitalisierung auf der Schülerebene

  • Fehlende Ausstattung
    Die fehlende Ausstattung an digitalen Geräten für die Schüler und Schülerinnen beeinflusst die Arbeit im Homeschooling Bereich. Die fehlende Ausstattung lässt sich oftmals auf fehlende Mittel der Erziehungsberechtigten zurückführen und stellt somit eine große Herausforderung dar.
  • Keine aktive Begleitung
    Auch die aktive Begleitung von Schülern und Schülerinnen mit besonderen Bedürfnissen leidet unter der zunehmenden Digitalisierung im Homeschooling Bereich.
  • Mitbestimmung
    Aufgrund fehlender direkter Kommunikation ist Mitbestimmung oftmals nicht möglich
  • Unterstützung von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache
    Auch die Unterstützung von Kindern mit nicht deutscher Muttersprache leidet unter der Digitalisierung im Homeschooling Bereich.
  • Verlust von Konzentration
    Besonders bei jüngeren Kindern ist die Aufmerksamkeitsspanne noch nicht zu Genüge ausgeprägt. Beim Arbeiten mit dem Computer und digitalen Medien kann sich dies bemerkbar machen.
  • Fehlende Anleitung
    Besonders jüngere Kinder brauchen Anleitung und sind eventuell mit dem Angebot überfordert. In diesem Falle sind sie auf die Unterstützung der Erziehungsberechtigten angewiesen. Viele Kinder haben jedoch nicht die Unterstützung ihrer Eltern, die sie brauchen.

Grenzen und Herausforderungen der Digitalisierung auf der Lehrerebene

  • Fehlende Übersicht über den Leistungsstand der Kinder
    Die zunehmende Digitalisierung im Homeschooling Bereich trägt auch zu einer fehlenden Einsicht in das Können und Nicht-Können der Schüler und Schülerinnen bei.
  • Fehlende Einsicht in die Konzentrationsspanne der Kinder
    Besonders jüngere Kinder sind schwer zu erreichen und ohne einer anwesenden Person sichtlich schwer zu motivieren.
  • Kooperation der Erziehungsberechtigten
    Im Bereich Homeschooling sind die Lehrpersonen besonders auf die Hilfe und Kooperation der Eltern angewiesen.
  • Großer Zeitaufwand
    Auch die Vorbereitung seitens der Lehrperson bedarf eines großen Zeitaufwandes.

Die COVID-19- Krise hat seit Beginn des Jahres 2020 weltweit dafür gesorgt, dass sich das gesellschaftliche sowie das private Leben stark verändert haben. Besonders stark getroffen von den Einschränkungen wurde leider der Bildungssektor. Schon vor der Krise wurde in der Sekundarstufe sowie an Hochschulen und Universitäten mit digitalen Hilfsmitteln unterrichtet. Der Unterricht in der Primarstufe hinkt im Bereich der Digitalisierung leider stark hinterher. Deshalb braucht es besonders in der Primarstufe Hilfe und Unterstützung für Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler um den Ansprüchen des digitalen Heimunterrichts gerecht werden zu können. Eine Idee zur Unterstützung eben dieser Gruppen ist die Website Homeschooling4kids, welche am 6. April 2020 online ging.

Hier geht es zur Website

Diese Plattform ist auf Kinder der Primarstufe und den österreichischen Lehrplan abgestimmt. Homeschooling4kids versucht bei allen Angeboten auf Chancengleichheit, Lernmotivation und Abwechslung zu achten.
Im Folgenden werden die oben genannten Grenzen des Einsatzes digitaler Medien für den Heimunterricht am Beispiel der Website Homeschooling4kids diskutiert.
Differenzierung hat im zeitgemäßen Unterricht der Primarstufe eine wichtige Rolle und einen hohen Stellenwert eingenommen. Sowohl der Unterricht wie auch die Benotung und das allgemeine schulische Leben sollten auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder angepasst sein.
In einer Klasse, wo heterogene Schülerinnen und Schüler aufeinandertreffen, gilt es, eine Lernumgebung zu schaffen, die ihnen in ihrer Individualität gerecht wird (Gudjons 2012: 372f).
Daher stellen wir uns die Frage: Ist es möglich, mittels der Lernplattform Homeschooling4kids einen differenzierten Unterricht zu gestalten, der jedem Schüler und jeder Schülerin gerecht wird? Die Antwort lautet leider nein!
Die unzähligen Plattformen und Sammlungen, die im Internet zugänglich sind, können kaum überblickt werden und täglich werden es mehr. Die meisten dieser Angebote bieten den Kindern Unmengen an ungeordnete Inhalte an, aus denen gewählt werden soll. Dabei muss man aber bedenken, dass ein Überangebot gerade junge Kinder leicht überfordern kann und schließlich dazu führt, dass die Schüler und Schülerinnen den Überblick verlieren und keine Entscheidung mehr treffen können.
Außerdem ist durch eine einfache Sammlung von Inhalten nicht gewährleistet, dass die Kinder auch Übungen in ihrem Leistungsniveau finden und auswählen. Die Zielgruppe der Website Homeschooling4kids sind deutschsprachige Schülerinnen und Schüler im Volksschulalter. Daher ist es beinahe unmöglich, jedem Kind gerecht zu werden, auf alle Interessen einzugehen und alle Bearbeitungsniveaus anzubieten. Trotzdem wird versucht, die Angebote an die unterschiedlichen Interessen und Lerntypen anzupassen. Außerdem werden die Beiträge grundsätzlich nach Grundstufe 1 und 2 differenziert. Bei dieser Differenzierung wird auch darauf geachtet, die Beiträge interaktiv und optisch ansprechend zu gestalten.
Um die Aufmerksamkeitsspanne der mitunter sehr jungen Schülerinnen und Schüler nicht zu überziehen wird großes Augenmerk darauf gelegt, dass die Beiträge relativ rasch zu bearbeiten sind. Da die Website homeschooling4kids nicht auf ein Ersetzen sondern vielmehr auf ein Ergänzen des regulären Unterrichts aus ist, werden die Beiträge so gestaltet, dass sie in 20 Minuten von den Kindern bewältigt werden können. Um den Kindern ein übersichtliches Angebot zur Verfügung zu stellen, werden nur die aktuellsten Beiträge jeder Kategorie gezeigt. Suchen die Nutzer nach älteren Beiträgen, genügt ein einfacher Mausklick oder eine Abfrage in der Suchfunktion um die Beiträge der vergangenen Wochen angezeigt zu bekommen. Auf der Startseite der Website findet sich ein Button der die Schülerinnen und Schüler zu den aktuellsten Beiträgen führt.
Um auch Erstleser oder Kinder mit Deutsch als Zweitsprache zu unterstützen, bietet homeschooling4kids eine Vorlesefunktion. Hiermit können sich die Kinder den Auftrag, das Rezept oder die Versuchsanleitung vorlesen lassen. Diese Funktion der Website soll sicherstellen, dass auch Kinder deren Eltern womöglich nicht gut Deutsch sprechen oder lesen können von dem Angebot profitieren können.
Uns Lehramtsstudenten und Lehrpersonen ist klar: Kinder brauchen Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden und natürlich auch zu ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer. Gerade wenn die Kinder noch sehr jung sind, ist es äußerst wichtig, dass sie regelmäßigen persönlichen Kontakt zu Lehrperson und MitschülerInnen und einen geregelten Schulalltag haben. Auch das Aufrechterhalten der Motivation und Neugierde der Schülerinnen und Schüler war gerade während der Lock-down Phase von besonderer Bedeutung. Aber ist das denn überhaupt möglich, wenn Social-Distancing und Quarantäne-Maßnahmen gefordert sind?
Viele Lehrpersonen haben bestätigt, dass Schülerinnen und Schüler gerne an Videochats mit Lehrpersonen und MitschülerInnen teilnehmen. Leider verhindern mangelnde digitale Kompetenz oder unzureichende technische Ausstattung, sowohl der Kinder wie auch der Lehrpersonen, oft diesen wertvollen Kontakt. Es kam daher auch oft dazu, dass der Kontakt zu manchen Schülerinnen und Schülern während der Lock-Down Phase komplett abgerissen ist. Auch diesem Problem möchte sich Homeschooling4kids stellen: Audioaufnahmen, Videos und ein Gruß unter jedem Beitrag gibt der Seite einen persönlichen Charakter und soll die Kinder direkt ansprechen. Bei der Gestaltung der Beiträge wird außerdem darauf geachtet, dass sie sowohl mit Smartphones, Tablets wie auch Computern bearbeitet werden können.
Der sogenannte Mitmachbereich bietet Kindern die Möglichkeit mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Dieser Bereich der Website kann von den Kindern selbstständig mit Inhalten wie Bilder, Texten oder Rätselfragen gefüllt werden.
Seit kurzer Zeit gibt es für die Kinder auch die Möglichkeit eigene Themen einzubringen. Hierfür kann auf der Startseite der Website über Themen abgestimmt werden. Die beliebtesten Themen werden in den Themenbereich der Website aufgenommen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass uns die Covid-19 Pandemie verdeutlicht hat, wie unumgänglich digitale Grundbildung bereits ab der Primarstufe ist und von welcher Relevanz es ist, Kinder bereits in der Volksschule mit essenziellen digitalen Skills und Medienkompetenzen auszustatten. Die Website homeschooling4kids versucht genau dazu beizutragen, indem sie auf motivierende Art und Weise neue Lerninhalte vermittelt und ein interaktives Erlernen der notwendigen Kompetenzen fördert. Homeschooling4kids soll dabei den klassischen Präsenzunterricht nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen und in naher Zukunft in den Präsenzunterricht integriert werden.

Bildquelle: Pixabay

Literatur:
Baacke, Dieter (1996): Medienkompetenz – Begrifflichkeit und sozialer Wandel, in: In von Rein, Antje (Hg.): Medienkompetenz als Schlüsselbegriff, Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 112-124.

Gudjons, Herbert (2012): Pädagogisches Grundwissen, Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Tulodziecki, Gerhard/ Herzig, Bardo/ Grafe, Silke (2019): Medienbildung in Schule und Unterricht: Grundlagen und Beispiele, Bad Heilbrunn: Klinkhardt.