29 Apr

Was Google & Co über uns wissen (wollen)…

verfasst von: Stephanie Bürgmayr, Lydia Kobau, Max Pfundner, Elisabeth Reppnig

Die meisten Menschen nutzen Google, Facebook oder andere ähnliche Online-Kanäle praktisch täglich, sind sich dabei aber nicht im Geringsten bewusst, was das eigentlich für ihre Privatsphäre und sensible Daten bedeuten kann.

Wenn ich einem Bekannten meine Telefonnummer, meinen Namen und meine Adresse gebe, dann weiß ich genau was damit passiert, ich habe sie ja nur diesem einen Menschen gegeben, oder? Jein, denn wenn diese Person die Daten auf ihrem Handy speichert und dann zum Beispiel den Nachrichtendienst „Whatsapp“ aufruft, dann wird das gesamte Adressbuch jedes Mal mit dem amerikanischen Server abgeglichen. So schnell kann es gehen und diese Daten sind bei Whatsapp und im Zuge dessen auch bei dessen Mutterunternehmen Facebook gelandet. Ein weiterer riesiger Datensammler unserer Zeit ist definitiv Google und wir tragen wesentlich dazu bei ihn tagtäglich zu füttern. Obwohl die Zahlen nicht eindeutig zu bestimmen sind gehen Schätzungen, wie sie zum Beispiel „internetlivestats“ aufstellt, von mehr als 40000 Suchanfragen bei Google pro Sekunde aus. Jedes Mal, wenn wir Google nach einem bestimmten Restaurant, neuen Schuhen oder einer neuen Küche fragen merkt sich das der dahinterstehende Algorithmus. Er zeichnet unsere IP-Adresse auf, also von welchem Gerät und von wo aus wir operieren, und setzt kleine Marker auf unseren Computern, so genannte Cookies, die aufzeichnen welche Seiten wir besuchen und welche Aktionen wir darauf getätigt haben. Google weiß in den meisten Fällen aufgrund unserer Handys auch wo wir uns aufgehalten haben und wie lange wir da waren.

Aber wofür werden diese Informationen verwendet? Das größte Standbein von Google und Co ist die Werbung.  Die Einnahmen dadurch beliefen sich im Jahr 2018 nur bei der beliebten Suchmaschine auf rund 116 Milliarden Dollar, das sind rund 85% ihres Gesamtumsatzes. Diese Firmen leben davon so viele Informationen wie möglich zu sammeln um dadurch dann für Unternehmen gezielte Werbung ausspielen zu können. Haben sie sich schon einmal gewundert warum Sie eine bestimmte Werbung hartnäckig durch alle möglichen Portale verfolgt? Dabei handelt es sich meist um Google Adsense, das die von Ihnen besuchten Seiten und Aktionen auswertet, um sie gezielt mit persönlich relevanten Produkten zu bombardieren. Manchmal kann das nützlich sein, oft ist es aber auch lästig.

Das Problem dabei ist, dass die meisten Menschen sich dieses Umstandes nicht bewusst sind und sich im Normalfall nicht aktiv dazu entscheiden diese Datensammlungen zu erlauben. Oft sind diese Optionen von Google als Opt-Out gestaltet, das heißt, dass man sie aktiv deaktivieren muss um seine Zustimmung zu verweigern. Google, Facebook und Co gehen zwar transparent damit um, was für Daten gesammelt werden, machen es dem Alltagsuser aber schwer ohne intensive Recherche darauf zu reagieren.

Zusätzlich kam es leider zum Beispiel bei Facebook zum wiederholten Male zur unerlaubten Weitergabe von sensiblen Informationen an Dritte (siehe „Datenweitergabe an Facebook-Partner“). Das schädigt das Vertrauen in solche großen Online-Unternehmen natürlich umso mehr. Das einzig Positive daran ist, dass es hoffentlich das Bewusstsein der User dahingehend schärft, sich mehr mit dem grundsätzlichen Thema das Datenschutzes auseinander zu setzen und sich vor Auge zu halten, dass man vor allem im Internet nicht anonym unterwegs ist.  

Weitere Beiträge zum Thema Überwachung:

Quellen:

https://www.techbook.de/apps/messenger/whatsapp-datenschutz-zugriff-facebook

https://ardorseo.com/blog/how-many-google-searches-per-day-2019/

https://www.test.de/Internet-Cookies-die-wichtigsten-Fragen-4343964-0/

https://www.internetlivestats.com/google-search-statistics/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/75188/umfrage/werbeumsatz-von-google-seit-2001/

https://www.derstandard.de/story/2000077886432/datensammelei-wie-viel-google-wirklich-ueber-uns-alle-weiss

28 Apr

Unter Verdacht – Im Visier der Geheimdienste

Der ORF geht auf Mission nach den Geheimdiensten, die in Wien im Untergrund agieren. Der folgende Blog-Eintrag gibt Aufschluss über die Dokumentation, die auf YouTube kostenfrei angesehen werden kann.

Online abrufbar unter: Unter Verdacht – Im Visier der Geheimdienste

Elektronische Geräte wie Handy, Tablet oder Computer sind die wahren Geheimagenten in unserem täglichen Leben. Sie speichern Daten, die für die weitere Nutzung des Internets von großer Bedeutung werden. Hinter all der Datensammlung stehen riesige Server, die wiederum von Menschenhand betrieben werden. Es lässt sich demnach sehr wohl bejahen, dass wir unter ständiger Beobachtung stehen. 

Geheimdienste spielen auch im Leben jedes einzelnen eine große Rolle. 

Mondial gesehen zählt Wien sogar zu den wichtigsten Stützpunkten der Geheimdienste. 

Aber was ist überhaupt die Aufgabe von Geheimdiensten?

Wie eine Mitarbeiterin der MI5 berichtet, werden Personen unter Verdacht auf möglichst legale und effektive Art durchleuchtet. Dies kann über Telefonabhörstrategien, Verwanzung des Zuhauses oder Kooperation mit Bekannten des Verdächtigen geschehen. 

Da menschliche Quellen jedoch rasch erschöpft sind, greifen Geheimdienste immer öfter auf digitale Medien zurück. Durch den Durchbruch der Telekommunikation und der globalen Vernetzung ergaben sich im letzten Jahrzehnt völlig neue Methoden zur Überwachung – so Thomas Drake, ehemaliger Angestellter der NSA. 

Wie kam es jedoch zu einem solchen Durchbruch der digitalen Überwachung?

Der Grundgedanke, auf digitale Daten zurückzugreifen und ihnen Informationen zu entnehmen, liegt in der Intention, ein funktionierendes Anti-Terror-Programm zu starten, indem Angriffe von Terrorgruppen früh genug erkannt und gestoppt werden können. Der verheerende Anschlag am 11.09.2001 in den USA gab den Anlass, dass deutlich höhere Subventionen an die NSA, den Überwachungs-Apparat schlechthin, gingen. Ab diesem Zeitpunkt soll die Freiheit der Menschen ein Stück eingeschränkt werden, um dem Ziel der Sicherheit ein Stück näher zu rücken. Übersehen wird dabei jedoch oft, dass Menschen durch direkte Überwachung automatisch zu potenziellen Verdächtigten werden und der Überwachung nicht nur mehr rein die Funktion der Sicherung der Sicherheit zukommt – sondern ebenso der Geiselnahme der sozialen Strukturen unserer Zeit. 

Der bekannte Kabarettist Roland Düringer begründet das Aufkommen von Überwachung mit einem einzigen Faktor – der Angst. Sobald Angst in einer Gesellschaft vorhanden ist, sogt man sich um ein System, sodass keine Situation eintreten kann, die die Angst berechtigt erscheinen lässt. 

Ebenso werden Menschen durch die digitale Kontrolle bestimmte und genau angepasste digitale Persönlichkeitsprofile zugeordnet, die durch die Speicherung der Daten kaum mehr abzuschütteln sind. Erscheinen diese Profile verdächtigt, schlagen Organisationen Alarm. Unter dem Begriff ‚Full Take’ ist zu verstehen, dass alle Daten jedes einzelnen Menschen auf bestimmten Servern gespeichert werden und bei Bedarf mühelos darauf zugegriffen werden kann. Welche Informationen schließlich innerhalb der digitalen Biografie eines einzelnen näher betrachtet und möglicherweise veröffentlicht werden, liegt in der Hand der Nachrichtendienste. 

Durch die starke Abhängigkeit von digitalen Medien ist es kaum mehr möglich, zu verhindern, überwacht zu werden. Hat man keine automatisch negative Rückmeldung durch die Kontrolle, da die Auswirkungen der Überwachung meist nicht spürbar sind, findet man sich damit ab und tut nichts dagegen – man gibt seine eigene Privatsphäre ohne jeglichen Widerstand her. 

Wissenschaftler sprechen heute davon, dass die Menschheit sich in einem digitalen Panoptikum befindet. Das Panoptikum entsprach einer ehemaligen Form der Überwachung in Gefängnissen im 18.Jahrhundert. Hier konnten Gefängniswärter durch einen mittleren Turm kreisförmig in alle Zellen mit Insassen mittels eines Scheinwerfers blicken und sie in ihrem Handeln kontrollieren. Das bedeutet für uns, dass wir in jedem Raum und in jeder Situation beobachtet werden, was Menschen ganz unterschiedlich aufnehmen. 

Diese Art der Kontrollführung wurde durch die Abschaffung des Panoptikums annulliert, da dem Aspekt der Menschlichkeit der ständigen Überwachung nicht mehr zugestimmt werden konnte. Heute wehrt man sich mit den Argumenten, dass Menschen unter kontinuierlicher Kontrolle aggressiver und kranker werden. Schlussendlich kann jenes mulmige Gefühl in Paranoia münden, weil sich Menschen auf Schritt und Tritt verfolgt fühlen. 

Eines der wesentlichsten Merkmale unserer Gesellschaft ist immerhin die Privatsphäre und die Intimsphäre. Können diese beiden Faktoren nicht mehr eingebracht werden, droht der Demokratie und der Meinungsfreiheit ein jähes Ende. 

Denn wie viel Kontrolle und Überwachung verträgt der freie und demokratische Staat wirklich?

In wie fern ist Wien nun in das ganze Konstrukt der Überwachung eingebunden?

Man sagt, dass Wien die Insel der Spitzel und Spione sei, deren Anzahl man ca. auf 8000 Personen schätzt. Die gute wirtschaftliche Lage sorgt dafür, dass sich viele internationale Organisationen in der österreichischen Hauptstadt angesiedelt haben, welche das Hauptaugenmerk für Überwachungssysteme bilden. Agenten treffen sich laut Hören und Sagen regelmäßig in Cafés oder kleinen Restaurants, um sich über ihre geheimen Geschäfte auszutauschen. 

Ebenso macht das rechtliche Vakuum, in dem man sich aus Sicht der Überwachung und Kontrolle in Österreich befindet, die Arbeit für Geheimorganisationen umso beliebter. Da mit keinen rechtlichen Konsequenzen zu rechnen ist, sobald die Spionagearbeit nicht explizit gegen den Staat Österreich geführt wird, führen Agenten hier ihre Arbeit gerne fort. 

Ein Nachrichtendienst, wie einer in den USA, ist in Österreich nicht vorhanden. Allerdings gibt es drei ähnliche Organisationen: das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), den Auslandgeheimdienst (HNaA) und die Spionageabwehr (AbwA). Auch die NSA kann auf Wiener Boden lokalisiert werden. Es ist von einer sog. NSA-Villa in Wien zu berichten, zu der ein stark frequentiertes Glasfaserkabel erfasst wurde. Auch im ICT-Tower konnte ein Büro der NSA entdeckt werden.