14 Dez

Robotik und KI: Kulturelle Unterschiede

Traditionelle Trauerfeier für Roboter-Hunde in Japan
Foto: NICOLAS DATICHE/AFP/Getty Images

,,Bei meiner Arbeit an der Ethik in der Robotik fand ich [..] heraus, dass japanische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen viel weniger Probleme mit menschenähnlichen Robotern haben als Leute im Westen. Im Westen denken wir, dass es sehr wichtig ist, zwischen Menschen und Nicht-Menschen zu unterscheiden. Als ich mit einem japanischen Wissenschaftler darüber sprach, verstand er nicht, was daran so wichtig sein soll.‘‘

-Mark Coeckelbergh (Graf, 2017)

Den größten Gegensatz, zum westlichen Zugang zu Robotern und künstlicher Intelligenz, bildet Japan. Während in Österreich und Deutschland dem Einsatz von Robotern, vor allem in Menschenähnlicher Form, eher mit Skepsis begegnet wird, kennt man diese in Japan weniger.

Das ist verschiedenen Gegebenheiten zuzuschreiben. Beispielsweise wird in der in der japanischen Religion dem Shintoismus (shintô; dt.Weg der Götter) jedem Wesen und Objekt eine Seele zugeschrieben. Daher herrscht bei der Objektbeziehung in Japan eine Diskrepanz zum christlichen Verständnis, wonach nur Lebewesen Autonomie zugeschrieben und ferner Gott die alleinige Schöpferrolle zugwiesen wird.

Zudem wird Japans Gesellschaft immer älter und sie zählen zu den Top Ländern was das Lebensalter angeht. Geburtsraten nehmen ab und Einwanderung gibt es aufgrund einer rigorosen Politik kaum. Roboter stehlen hier also keine Arbeitsplätze, sondern übernehmen wichtige und ansonsten vernachlässigte Posten.

Schon in der Popkultur werden Roboter ganz anders portraitiert als in Europa oder den USA. Bei uns ist die Maschine oder künstlich geschaffene Intelligenz meist der Feind oder das Böse, zum Beispiel Terminator oder Frankenstein. In Japan sind sie meist Helden und Helfer der Menschen, wie in den Mangas ,,Astro Boy‘‘ oder der Animeserie ,,Gundam‘‘.

Populär ist in Japan außerdem Aibo, der Roboter-Hund von Sony. Nach einer Schätzung, sind 150.000 dieser Hunde in Japan verteilt, mit einem Lebenszyklus von 5-7 Jahren und einem Preis von 1500 Euro. Besonders für ältere Menschen zeigte sich, dank der Roboter-Hunde, eine Verbesserung der Lebensqualität, die Roboter-Tiere wurden so sehr ins Herz geschlossen, dass traditionelle buddhistische Trauerfeiern für sie veranstaltet wurden. Aibo erfordert ein monatliches KI-Abo von 150 Euro und bekommt für weitere 150 Euro einen Plastikknochen zum Spielen. Er hat zwei Kameras und kleine OLED-Displays in den Augen, die ihn ausdrucksstarker machen sollen. Die Akkulaufzeit beträgt allerdings momentan nur 2 Stunden, danach muss er für 3 Stunden an die Steckdose.

Ein passendes Beispiel für die europäische Sichtweise ist der kürzlich, zum Anlass von 100 Jahren Frauenstudium an der TU Wien, im Standard: Das sagen Forscherinnen zu Robotik, unter dem Tag ,,Gefahren“. Hier der Link dazu: https://www.derstandard.at/story/2000112235040/das-sagen-forscherinnen-zu-robotik

Literaturverzeichnis

Graf, V. (29. 08 2017). ARS ELECTRONICA. Von

„Technologie ist menschlich“: So formt Kultur Technologie
abgerufen

Martin, R. (2012). Kulturelle Unterschiede in der Robotik: Japan undDeutschland – ein Überblick. (F. f. Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg, Hrsg.) Duisburg. Von https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-419195 abgerufen

Stitzel, H. (16. 11 2015). SRF. Von https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/weshalb-japan-keine-angst-vor-robotern-kennt abgerufen

Trends der Zukunft. (28. 02 2015). Von https://www.trendsderzukunft.de/roboter-hunde-bekommen-friedhoefe-in-japan/ abgerufen

Zeit online. (01. 11 2017). Von https://www.zeit.de/digital/internet/2017-11/sony-aibo-roboter-hund-wiederauflage-kuenstliche-intelligenz abgerufen