12 Jul

Mobbing bei Kindern – präventive Maßnahmen

Die Broschüre „Mobbing bei Kindern und Jugendlichen / Prävention in pädagogischen Einrichtungen“, ist aufrufbar unter:
https://www.saferinternet.at/fileadmin/categorized/Materialien/KJA_Broschuere_Mobbing.pdf (aufgerufen am 10.07.18)

Diese Broschüre thematisiert Mobbing, insbesondere Cybermobbing und gibt Ansätze für präventive Maßnahmen um Mobbing in der Schule entgegenzuwirken. Zusätzlich ist ein Mobbing-Leitfaden für Eltern und Erziehungsberechtigte enthalten.

In den letzten Jahren vollzog sich ein dynamischer Prozess eines Medien- und Technologiewandels, welcher auch Auswirkungen auf die heute Gesellschaft hat. Von klein auf wächst man mit einem unzähligen medialen Angebot auf und ist tag täglich in seinem Alltag davon umgeben. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo Kinder meist ihre Freizeit im Freien verbracht haben, beschränkt sich diese nun vermehrt auf den Gebrauch von  technischen Geräten.. Die Kommunikation und zwischenmenschliche Interaktion hat sich sehr verändert. Dieser Wandel begünstigt das Auftreten von Cybbermobbing-Vorfällen. Dadurch rückt die Notwendigkeit der Einführung präventiver Maßnahmen besonders im schulischen Bereich näher. Denn durch den veränderte Medienumgang in der Gesellschaft und die damit zusammenhängende ständige Präsenz von Gewalt, hat dies zunehmend Auswirkungen im Schulalltag der Kinder und Jugendlichen zur Folge.

Unter dem Mobbingbegriff versteht man eine konfliktbelastete Situation, bei der die betroffene Person einer direkten oder indirekten Form einer diskriminierenden Handlung oder Kommunikationsform ausgesetzt wird. Dabei ist das Opfer deutlich unterlegen und hilflos gegenüber den Attacken einer anderen oder mehreren Personen, die über einen längeren Zeitraum, mit der Intention einer Abgrenzung bzw. Ausstoßes aus einer Gemeinschaft, ausgeführt werden.

Folglich spricht man von Mobbing, wenn bestimmte Kriterien gegeben sind: 

  • Machtungleichgewicht – Ungleichheit der Kräfte bzw. asymmetrisches Kräfteverhältnis,
  • eine oder mehrere Personenzahl – die gewaltvolle Handlung kann von einem Täter oder von einer Gruppe ausgeübt werden,
  • der Zeitraum – die Handlung hat einen Wiederholungscharakter,
  • eine Schädigungsabsicht mit der direkte oder indirekte Form,
  • sowie das subjektive Empfinden des Opfers diskriminiert zu werden.

Der Begriff des „Cybermobbings“ ist eine ausgebaute Form des Mobbings und impliziert zusätzlich den Gebrauch von modernen Kommunikationstechnologien. Cybermobbing ist demnach Mobbing und Gewalt mittels digitaler Medien. Folglich versteht man darunter Angriffe mit einer Schädigungsabsicht, sowie mit einem Wiederholungscharakter gegen eine Person mit dem Gebrauch von digitalen Technologien, wie im Internet (zB.: soziale Netzwerke, Facebook, Chats, Emails etc.), aber auch am Handy (WhatsApp, belästigende Anrufe, SMS, Handyfotos oder Videos).

Cybermobbing ist ein Delikt und wird seit dem 1. Jänner 2016 strafrechtlich verfolgt, welches im Strafgesetzbuch § 107c StGB unter dem Titel „Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems“ angeführt ist.

Im Gegensatz zum klassischen Mobbing sind Opfer von Cybermobbing den Schikanen rund um die Uhr ausgesetzt. Über digitale Medien ist man 24 Stunden am Tag erreichbar, wodurch das Mobbing nach der Schule kein Ende findet. Somit gibt es keinen Rückzugsort für das Opfer, nicht einmal die eigenen vier Wände bieten davor Schutz. Das Ausmaß von Cybermobbing ist verheerender als beim Mobbing, da durch das Veröffentlichen im Internet ein unüberschaubares Publikum erreicht wird. Binnen kürzester Zeit, mit nur einem Klick, werden Beschimpfungen weltweit an die breite Masse verschickt. Darüber hinaus können diese Inhalte im Nachhinein nie vollständig gelöscht werden und sogar wieder an die Öffentlichkeit kommen.

Im Unterschied zum Mobbing, nimmt der Täter beim Cybermobbing oft eine anonyme Identität, durch ein falsches Profil, an. Dies senkt jegliche Hemmschwelle, denn die Reaktionen und die Betroffenheit des Opfers sind für den Täter nicht ersichtlich. Durch die Anonymität im Internet wird teilweise die Abgrenzung der Rolle des Täters und des Opfers schwer nachvollziehbar, denn auf Attacken folgen oft Gegenattacken, welche Täter zu Opfern darstellen können.

Gründe für Mobbing sind vielfältiger Art. Äußerliche Merkmale sind nur ein Teilgrund, warum eine Person zur Zielscheibe von verschiedenen Angriffen in seinem sozialen Umfeld wird. Andere Gründe dafür können u.a. Langeweile, das Abbauen von aufgestauten Aggressionen – als Entlastungsventil, Machtmissbrauch oder die Anerkennung bzw. Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Man eifert einer Person mit Mobbingattacken nach, dadurch erhofft man sich einen Anstieg des eigenen Ansehens innerhalb einer Gruppe.  Es entsteht eine Art Gruppendynamik. Man ist gefangen in einem Prozess, aus dem man sich kaum lösen kann. Die Angst dieser Gruppe, nicht mehr zugehörig zu sein oder sogar selber Opfer dieser zu werden, lässt einen aus diesem Kreislauf nicht mehr entweichen. Auch das Überspielen bzw. Abbauen von eigenen Minderwertigkeitsgefühlen zählt zu den Motiven, besonders wenn der Täter selbst Mobbingattacken zum Opfer gefallen ist.

Mobbing könnte verheerende Auswirkungen auf das Opfer haben. Angefangen von Konzentrationsstörungen, einem Leistungsabfall bzw. Verlust der Lernmotivation und der Schulverweigerung, psychosomatischen Beschwerden ( zB.: Übelkeit, Kopf- und Magenschmerzen), Appetitlosigkeit und gestörtes Essverhalten, Angstzustände, Schlafstörungen und Albträume, bis hin zur Isolation, psychischen Problemen, Depression und Selbstbeschuldigungen. In schlimmen Fällen führt Mobbing sogar zu Suizidgedanken, Suizidversuchen oder Tod durch Suizid bzw. Selbstmord.

Eine Möglichkeit Cybermobbing entgegenzuwirken ist Prävention durch Aufklärung.  Alle Motive zur Entstehung von Mobbing haben eine Gemeinsamkeit, die fehlende Empathie. Oft können Kinder oder Jugendliche die Situation nicht nachempfinden und damit nicht einschätzen, welche Folgen die Beleidigungen bei ihren Opfern auslösen können. Genau aus diesem Grund kann nie früh genug damit begonnen werden, Kinder für diese Thematik zu sensibilisieren. Kinder und Jugendliche benötigen in der digitalen Welt der Medien eine Einführung bzw. eine Aufklärung zum sicheren Umgang mit den neuen Medien, um gegen Gefahren und Risiken der virtuellen Welt gewappnet zu sein. Daher sollten Eltern, Pädagogen oder andere Vertrauenspersonen, wie z.B.: Schulsozialarbeiter oder Schulpsychologen, Aufklärungsarbeit leisten, welche Gefahren mit der Nutzung von neuen digitalen Medien einhergehen. Durch die rasante Medienentwicklung ist dies für manche Eltern eine Herausforderung und sie benötigen selber eine Orientierung beim sicheren Nutzen im Internet, um ihren Kindern einen kritischen Umgang damit zu vermitteln. Deshalb soll verstärkt von Seiten der Schuleinrichtungen medienpädagogische Arbeit geleistet werden, bei der man sich mit den Kindern mit der Thematik einer kritischen, reflexiven Mediennutzung auseinandersetzt. Nur wer informiert ist, kann mögliche Angriffe und Gefahren als solche erkennen. Kinder sollen über das Auftreten von Cybermobbing, sowie sexuellen Übergriffen aufgeklärt werden. Kinder müssen wissen, dass das Veröffentlichen von Fotos im Web mit einen Verlust der Privatsphäre einhergeht. Fotos, die einst Online gestellt wurden, verbreiten sich rasant und weltweit. Dies kann kaum rückgängig gemacht werden. Die Fotos können missbräuchlich in einem komplett anderen Zusammenhang (auch pornografisch) gebracht werden.

Für eine gewaltfreie Umgebung ist ein gutes soziales Klima an der Schule Voraussetzung. Dabei nehmen Pädagogen die zentrale Rolle bei der Verantwortung für eine positive Atmosphäre im Schulalltag ein, denn sie sind die Vorbilder für einen respektvollen Umgang miteinander. Gegenseitiger Respekt ist wohl der effektivste Weg, um nachhaltig gegen Mobbing präventiv vorzugehen. Der Pädagoge sollte ein vertrautes Verhältnis zu den Kindern aufbauen, ihnen vermitteln, eine Ansprechperson bei jeglichen Problemen zu sein, sich jedem Anliegen annehmen und offen dafür zu sein, Konfliktlösungsmöglichkeiten gemeinsam auszuarbeiten.

In der Broschüre sind hierzu einige präventive Maßnahmen angeführt wie die Stärkung der Klassengemeinschaft, aktive Pausenaufsicht, das Vorgeben von Gruppeneinteilungen, Gemeinschafts- und Rollenspiele, Partizipation ermöglichen, bei Gewalt konsequent eingreifen, einen Kummerkasten aufhängen und Experten einbeziehen.

Darüber hinaus sollte das Selbstwertgefühl der Schüler gestärkt werden durch einfache Strategien im Schulalltag, wie beispielsweise dem Kind Verantwortung übertragen, Fragen nicht kritisieren und Kreativität fördern oder gelungene Schularbeiten würdigen und anerkennen. Schutz vor Mobbing wird durch soziale Kompetenz gewährleistet. Wer seine Gefühle angemessen mitteilen kann, Empathie, Selbstbehauptung, Toleranz und Kommunikationsfähigkeit besitzt, sowie angemessen mit Konflikten umgehen kann, ist weniger von Mobbing gefährdet. Besitzt ein Kind das Gefühl der Wertschätzung von Seiten der Lehrperson, kann auch besser mit Kritik umgegangen werden. Allem voran, sollten Regeln des respektvollen Umganges miteinander in der Klasse aufgestellt werden und bei Missachtung dieser müssen die vereinbarten Konsequenzen getragen und eine Wiedergutmachen überlegt werden.

Diese Broschüre gibt meiner Meinung nach einen guten Einblick zum Thema Mobbing. Weiters werden auch einige Adressen für externe Workshops- und Fortbildungsmöglichkeiten aufgezeigt, sowie weiterführende Links und Materialien zu dieser Thematik angeführt.

Weitere Materialien zu diesem Thema: https://www.saferinternet.at/fileadmin/categorized/Materialien/Mobbing_an_Schulen_Leitfaden_BMB.pdf (10.07.18) – Mobbing an Schulen / Ein Leitfaden für die Schulgemeinschaft im Umgang mit Mobbing

Eine weitere Rezensionen zu diesem Thema:
https://podcampus.phwien.ac.at/digimed/2017/11/17/rezension-der-broschuere-sex-und-gewalt-in-medien/
https://podcampus.phwien.ac.at/digimed/2018/01/07/mobbing-bei-kindern-und-jugendlichen/

Rezension verfasst von: Lidia Gorski